Wien, 19. November 2025 (OTS) – Die Österreichische Hotel- und
Tourismusbank (OeHT), die Prodinger
Tourismusberatung und Kohl > Partner haben die aktuellen Kennzahlen
der österreichischen Ferienhotellerie ausgewertet. Der
Branchenvergleich gilt als größtes Benchmarking im Alpenraum in der
Hotellerie mit heuer erstmalig über 1.000 Betrieben. Als bewährte
Kooperationspartner sind auch die Wirtschaftskammer Österreich (WKO)
– Fachverband Hotellerie, die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV)
sowie der OeKB > ESG Data Hub beim Fitness-Check dabei.
Zwtl.: Stabile Auslastung, eingependelte Energiepreise, aber GOP
verharrt auf niedrigem Niveau
Der „Fitness-Check 2025 für Hotels“ zeigt, dass die Auslastung in
vielen Betrieben auf gutem Niveau bleibt, die Energiepreise sich nach
ihrem Allzeithoch etwas abgeflacht haben und der Wareneinsatz in
Prozent der Gesamterlöse leicht gesenkt werden konnte. Gleichzeitig
setzen kollektivvertragliche Lohnerhöhungen und dadurch weiter
steigende Mitarbeiterkosten die Betriebsergebnisse massiv unter Druck
– das operative Betriebsergebnis (GOP) hat sich, prozentual auf den
Umsatz bemessen, auf einem historisch niedrigen Niveau eingependelt.
ESG-Kennzahlen sind nunmehr fixer Bestandteil des Fitness-Checks.
Diese stellen eine verlässliche Grundlage für eine
zukunftsorientierte und wettbewerbsfähige Unternehmensstrategie dar.
„Die Hotellerie hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie
Nachfrage schaffen und Preise durchsetzen kann. Aber die erzielbaren
Gewinne halten mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Der GOP befindet
sich auf einem niedrigen Niveau“, fasst Thomas Reisenzahn,
Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, zusammen.
Zwtl.: Auslastung gut, aber Umsatzdynamik flacht ab
Die Auslastung, gemessen in Vollbelegstagen (VBT), konnte
insgesamt leicht gesteigert werden. Besonders die 3- und 3-Sterne-
Superior-Hotellerie verzeichnete ein Plus, während die höheren
Kategorien nur noch geringe Zuwächse zeigen.
Zwtl.: Beim Gesamtumsatz je Zimmer fällt das Bild differenzierter
aus:
– In den 4-Sterne-Superior- und 5-Sterne-Betrieben kommt es zu
spürbaren Steigerungen je Zimmer.
– In der 3-/3-Superior- und klassischen 4-Sterne-Hotellerie sind
hingegen nur moderate Zuwächse bzw. Stagnation erkennbar.
„Im Vergleich zum Jahr 2023 waren keine wesentlichen
Umsatzsprünge mehr möglich. Die fortlaufenden Preisanpassungen im
Beherbergungsbereich wirken zwar — können jedoch die massiven
Kostensteigerungen nur teilweise kompensieren“, analysiert Stefan
Brida, Senior Berater bei Kohl & Partner.
Zwtl.: Mitarbeitende bleiben größter Kostentreiber
Besonders deutlich zeigt sich der Druck bei den
Mitarbeiterkosten. Diese steigen im Median in allen Kategorien weiter
um rund fünf bis sieben Prozent. Der Mitarbeiteraufwand je
Vollzeitäquivalent (VZÄ) findet sich im oberen Quartil mittlerweile
in allen Kategorien bei über 50.000 Euro pro Jahr wieder, der Median
liegt bei 45.000 bis 48.000 Euro.
„Die Ergebnisse bestätigen, dass Mitarbeitende der zentrale
Kostenfaktor sind und bleiben. In vielen Betrieben liegt der
Mitarbeiteraufwand pro Kopf mittlerweile auf Rekordniveau. Das
verstärkt den Druck auf die Gewinnmargen erheblich “, erklärt
Matthias Matzer, Geschäftsführer der OeHT.
Auch die Struktur der Kosten verändert sich: Während die
Wareneinsatz-Quote leicht zurückgeht, wächst der Anteil der
Mitarbeiterkosten am Gesamtaufwand weiter an. Viele Betriebe arbeiten
daher trotz guter Auslastung mit sehr engen Margen.
Zwtl.: Energie: Vom Schock zur hohen neuen Normalität
Die Energieaufwände haben sich nach den starken Sprüngen der
vergangenen Jahre auf entsprechendem Niveau stabilisiert. In Relation
zum Umsatz sind keine weiteren dramatischen Ausschläge zu erkennen,
sondern eher eine leichte Verflachung der Energiepreise.
„Die gute Nachricht: Der Energieschock der letzten Jahre setzt
sich nicht in derselben Dynamik fort – die Kostenkurve flacht ab“,
erläutert Helmut List, Geschäftsführer bei Kohl > Partner. „Die
schlechte Nachricht: Das neue Normal liegt weiterhin deutlich über
dem Vorkrisenniveau. Wer in Effizienz und erneuerbare Energieträger
investiert hat, steht heute klar besser da.“
Parallel dazu ist erkennbar, dass viele Betriebe ihre
Marketingbudgets kritisch überprüfen: Der Marketingaufwand in
Relation zum Umsatz geht tendenziell minimal zurück. Angesichts des
intensiven Wettbewerbs birgt diese Entwicklung Chancen und Risiken,
denn Einsparungen dürfen nicht zu Lasten der Sichtbarkeit und
Positionierung gehen.
Zwtl.: GOP-Margen stagnieren
Beim GOP in Prozent des Umsatzes zeigt der Fitness-Check 2025 ein
ernüchterndes Bild:
– In der 3-/3-Superior-Hotellerie ist eine Stagnation der Margen
erkennbar.
– Im 4-Sterne-Segment verharrt der GOP-Anteil ebenfalls auf dem
Niveau des Vorjahres.
– Lediglich im 4-Superior-/5-Sterne-Bereich zeigt sich im Median eine
minimale Verbesserung von rund 0,4 Prozentpunkten.
In Euro gerechnet, also beim GOP pro Zimmer, sind insgesamt über
alle Betriebstypen leichte Steigerungen im Median sichtbar.
Zwtl.: Strategische Antworten: Effizienz, Positionierung und
Preispolitik
„Wer heute in der Hotellerie erfolgreich sein will, muss an
mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehen“, betont Marco Riederer,
Co-Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung. „Die klassischen
Hebel – Auslastung steigern und Preise anheben – allein reichen nicht
mehr. Gefragt sind eine klare Positionierung, effiziente Abläufe,
professionelle Preispolitik und ein sehr bewusstes
Mitarbeitermanagement.“
Zu einem ganzheitlichen Unternehmenserfolg trägt auch das Wissen
über die eigenen ESG-Kennzahlen wesentlich bei. „Eine gute
inhaltliche Auseinandersetzung mit den betriebseigenen ESG-Zahlen
bietet Wettbewerbsvorteile und hilft, Kosten zu senken.
Nachhaltigkeitskennzahlen sind längst zu einem entscheidenden
Erfolgsfaktor geworden“, verweist Matthias Matzer auf die aktuell
publizierten ESG-Kennzahlen des Fitness-Checks 2025 in Kooperation
mit dem OeKB > ESG Data Hub.
Zwtl.: Fazit: Kein Anlass zur Panik, aber wenig Spielraum
In Summe zeigen die Ergebnisse des Fitness-Checks 2025 keine
Schreckensszenarien, aber auch keine Entwarnung:
– Die Auslastungszahlen sind überwiegend gut.
– Die Preise in der Beherbergung konnten weiter angepasst werden.
– Gleichzeitig sind deutliche Kostenanstiege, insbesondere bei den
Mitarbeitenden, klar spürbar.
– Die GOP-Margen stagnieren bei gleichzeitigem Anstieg der
Finanzierungskosten, die Ertragssituation bleibt angespannt.
„Die Branche ist aktuell weit entfernt von einer
Ertragskatastrophe, aber ebenso weit von entspannten Verhältnissen“,
bringen es die Herausgeber des Fitness-Checks auf den Punkt. „Wer die
kommenden Jahre gut durchsteuern will, muss sich ehrlich vergleichen,
konsequent an den Kosten- und Ertragshebeln arbeiten und den eigenen
Betrieb strategisch weiterentwickeln.“
Trotz eines schwierigen Marktumfeld zeigt sich die Branche damit
weiterhin krisenresistent – für Jubelstimmung ist es allerdings
deutlich zu früh.
Über den Fitness-Check für Hotels
Der „Fitness-Check“ ist eine gemeinsame Kennzahlen- und
Benchmarkanalyse der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (OeHT)
, der Prodinger Tourismusberatung und Kohl > Partner und umfasst das
größte Benchmarking im Alpenraum in der Hotellerie mit heuer
erstmalig über 1.000 Betrieben. Und auf Basis einheitlicher
Auswertungsstandards (u.a. STAHR – Standard der Abrechnung für Hotels
und Restaurants) werden die Jahresabschlüsse österreichischer
Ferienhotels ausgewertet und nach Kategorien und Kennzahlengruppen (
Umsatz, Kosten, Energie, Finanzierung, ESG, etc.) vergleichbar
gemacht. Der Fitness-Check unterstützt Hotels, Banken und
Entscheidungsträger bei Standortbestimmung,
Investitionsentscheidungen und strategischer Weiterentwicklung.
Der Fitness-Check steht hier zum Download bereit:
https://www.oeht.at/service/downloads/fitness-check/

