Wien (OTS) – Forscher*innen der BOKU University machen die
Waldinventur fit für
die Hosentasche: Mit einer selbstentwickelten App auf einem
handelsüblichen Smartphone lassen sich Holzvorräte heute präzise,
hochauflösend und kostengünstig erfassen – ganz ohne teure
Spezialausrüstung.
Bäume vermessen ohne Maßband, Kluppe oder aufwendige
Spezialgeräte: Was noch vor wenigen Jahren nach Zukunftsmusik klang,
ist heute mit handelsüblichen Apple-Geräten Realität. Im Projekt
LaDiWaldi (Lasergestützte digitale Waldinventur und Einsatzplanung)
untersuchte Arne Nothdurft gemeinsam mit seinem Team vom Institut für
Waldwachstum an der BOKU als weltweit erste wissenschaftliche
Einrichtung, wie präzise die in Apple-Pro-Geräten integrierten LiDAR-
Sensoren für forstliche Messungen eingesetzt werden können.
Zwtl.: Präzise Messungen in Mixed Reality
Das Forschungsteam zeigt, wie Smartphones und Mixed-Reality-
Brillen die Waldinventur grundlegend vereinfachen können. Besonders
innovativ ist der Einsatz der Apple Vision Pro. „Mit der Mixed-
Reality-Brille lassen sich Baumdimensionen in Echtzeit erfassen –
allein durch Blickrichtung und einfache Fingerbewegungen, ganz ohne
zusätzliche Geräte“, erklärt Projektleiter Nothdurft.
Getestet wurde die Technologie im BOKU-Lehrforstzentrum Rosalia
im Burgenland. An 22 Stichprobenpunkten vermaß das Forschungsteam
insgesamt 182 Bäume – zunächst mit klassischen Methoden wie Kluppe
oder Pi-Band, anschließend mit Mixed-Reality-Apps auf Apple-Geräten.
Das Ergebnis: Beide getesteten Anwendungen lieferten zuverlässige
Messdaten mit einer mittleren Abweichung von lediglich acht bis elf
Prozent. Selbst bei Messungen durch unterschiedliche Personen zeigten
sich keine signifikanten Unterschiede – ein deutlicher Hinweis auf
die hohe, personenunabhängige Genauigkeit der Technologie.
Zwtl.: Von der Forschung in die Praxis
Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelte das BOKU-Team gemeinsam
mit dem Waldverband Steiermark und dem Forstlogistikunternehmen
Latschbacher eine neue App für die digitale Waldinventur – ebenfalls
unter dem Namen LaDiWaldi. Mithilfe von 3D-Scans werden Punktwolken
einzelner Stichprobenpunkte erfasst, Bestandsgrenzen automatisch
erkannt und Zusatzinformationen wie Alter oder Bestandsklassen
dokumentiert. Die Daten werden anschließend serverseitig ausgewertet
und als Karten und Kennzahlen bereitgestellt. So entstehen aus
wenigen Stichproben umfangreiche digitale Datensätze: von Holzvorrats
– und Stammzahlkarten über Geländemodelle bis hin zu Informationen zu
Hangneigungen, Forststraßen oder forstlichen Wuchsgebieten.
„Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für eine
kostengünstige, digitale und räumlich hochauflösende Erfassung von
Holzvorräten – insbesondere in alpinen Regionen“, betont Nothdurft.
„Die App ermöglicht es künftig Kleinwaldbesitzer*innen ,
Forstbetrieben, Dienstleister und Behörden, Waldinventuren
selbstständig durchzuführen – ganz ohne Spezialausrüstung. Im
Unterschied zu reinen Sicht- oder Erfahrungsschätzungen liefert die
App damit eine verlässliche, messbasierte Grundlage für forstliche
Entscheidungen und Planungen.“
Weitere Informationen zum Projekt LaDiWaldi sowie zu über 30
aktuellen BOKU-Waldforschungsprojekten aus der 360°-Perspektive
finden Sie auf der Website „Waldforschung zwischen Baum, Boden &
Bytes“: https://short.boku.ac.at/360perspektiven

