LOZNICA (OTS) – Der Grenzfluss Drina trennt Bosnien-Herzegowina und
Serbien, doch für
immer mehr Geflüchtete trennt er Leben von Tod.
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Genau auf diesen Umstand wurde am Dienstag bei einer interrreligiösen
Gedenkfeier in der serbischen Grenzstadt Loznica hingewiesen. Bei
dieser wurden 28 Grabsteine und Grabstätten für Geflüchtete am
orthodoxen städtischen und dem islamischen Friedhof eingeweiht. Der
Gedenkort wurde mit Spenden aus Österreich und Deutschland auf eine
gemeinsame Initiative der zivilgesellschaftlichen Organisationen SOS
Balkanroute, Djeluj.ba und Leavenoonebehind errichtet.
Zwtl.: Auch Baby unter Todesopfern
Unter den 19 nicht-identifizierten und 9 identifizierten
ertrunkenen Geflüchteten ist auch das 9 Monate alte syrische Baby
Lana Hilal, die im August 2024 gemeinsam mit ihren Eltern ihr Leben
in der Drina verloren hat. „Lanas Tod steht symbolisch für die
extreme Verletzlichkeit von Menschen auf der Flucht – und für ein
System, das sie ohne Schutz zurücklässt“, sagte Petar Rosandić von
SOS Balkanroute.
Auf dem Islamischen Friedhof wurde auch ein erschütternder Brief von
Muhammed Hilal, dem Onkel von Lana, verlesen. „Obwohl seit unserer
Tragödie fast eineinhalb Jahre vergangen sind, ist der Schmerz noch
immer da, als wäre alles erst gestern geschehen“, erinnerte sich
Muhammed.
Zwtl.: Kardinal: „Gott ist barmherziger als die Grenzpolizei“
Die Gedenkfeier, bei der auch das österreichische Pfarrnetzwerk
Asyl vertreten war, wurden vom serbischen Kardinal und Erzbischof von
Belgrad Ladislav Nemet und dem Belgrader Imam Tafa El Beriša
geleitet.
„Jeder Mensch hat einen grenzenlosen Wert. Wären Lana und die
Verstorbenen an einem anderen Ort geboren worden, hätte sie
sicherlich frei nach Europa kommen können. Kriege, Gewalt und
Klimaveränderungen führen zu Migration. Ob man sie legal oder illegal
nennt, ändert nichts an der Würde der Menschen. Gott ist weitaus
barmherziger als all unsere Gesetze, Vorschriften und die
Grenzpolizei “, stellte Kardinal Laszlo Nemet klar. Er verglich das
Engagement der Flüchtlingshelfer:innen mit jenem aus dem Buch Tobit,
wo der Jude Tobit, der in Ninive in der Fremde lebte, sich seiner
toten Landsleute annahm und sie begrub.
Zwtl.: 4 Friedhöfe und 95 Grabsteine errichtet
Die zwei neu gestalteten Friedhöfe in der serbischen Stadt
Loznica sind Teil der jahrelangen Gedenkarbeit, die der lokale
bosnische Flüchtlingshelfer Nihad Suljic gemeinsam mit SOS
Balkanroute vor zwei Jahren mit der Errichtung der Friedhöfe in
Bijeljina und Zvornik gestartet hat.
Mittlerweile wurden in Bosnien und Serbien 95 verwitterte
Holzmaarkierungen, mit dauerhaften Grabsteinen ersetzt, 4 Friedhöfe
gestaltet sowie 3 Denkmäler in Slowenien, Serbien und Bosnien
aufgestellt – im Andenken an alle verstorbenen Geflüchteten auf der
Balkanroute.
Schätzungen zufolge gibt es auf beiden Seiten des Flusses mehr als
hundert Gräber – und dies betrifft ausschließlich die Körper, die vom
Wasser angespült wurden. Die tatsächliche Zahl der Opfer auf der
Balkanroute ist deutlich höher, da viele Leichen nie gefunden wurden.

