Aufrüsten und/oder in Frieden investieren?

Wien (OTS) – Seit die Heereskommission Vorschläge zur Reform von
Bundesheer und
Zivildienst vorgelegt hat, wird intensiv über deren Umsetzung
diskutiert. Auslöser war die aktuelle weltpolitische Lage, die
vielerorts Ängste schürt und Regierungen zu militärischer Aufrüstung
veranlasst. Der Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste ,
der seit 1968 das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) in Österreich
organisiert, sieht diese Entwicklung kritisch und betont die
Bedeutung ziviler Friedensarbeit, wozu das FSJ bereits jetzt mit
jährlich ca. 1000 Einsätzen im Inland einen großen Beitrag leistet.
Rund 23 % der jungen Freiwilligen absolvieren das FSJ anstelle des
Zivildienstes.

Zwtl.: Rahmenbedingungen, die Möglichkeiten eröffnen statt
auszuschließen

Der Verein spricht sich klar dafür aus, das FSJ auch weiterhin
als Zivildienst anzuerkennen, jedoch auf maximal zwölf Monate zu
begrenzen. „Ein längerer Einsatz passt nicht zur Lebensrealität
junger Erwachsener“, betont Vereinsvorsitzende Veronika Prüller-
Jagenteufel und fordert weiter: „ In der aktuellen Debatte muss die
Perspektive junger Menschen stärker berücksichtigt werden. “ Mehr als
12 Monate würde bedeuten, dass junge Männer ein Studiensemester
verlieren würden und bei vielen Ausbildungen fast ein Jahr Wartezeit
hätten. Das würde einen Zivilersatzdienst im Rahmen eines FSJ völlig
unattraktiv machen.

Zwtl.: Persönliche Entwicklung und gesellschaftlicher Mehrwert

„ Die zentrale Frage ist aber nicht nur, wie lange ein Dienst
dauert, sondern was diese Zeit im Leben junger Menschen bewirkt “,
erklärt Geschäftsführerin Elisabeth Marcus. Das FSJ sei laut Gesetz
ein Ausbildungsverhältnis und biete einen klar strukturierten,
pädagogisch begleiteten Rahmen. „ Hier erwerben junge Erwachsene
soziale Kompetenzen, lernen Selbstreflexion, wachsen über sich hinaus
und entwickeln Verantwortungsbewusstsein – für sich selbst und für
andere. “

Während eines FSJ-Einsatzes leisten die Freiwilligen einen
wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und gewinnen zugleich
wertvolle Orientierung für ihren weiteren Lebensweg. „ Wenn Lernen,
persönliche Entwicklung und gesellschaftliches Engagement
zusammengedacht werden, ist das ein nachhaltiger Gewinn für alle “,
so Marcus.

Zu einem FSJ gehört eine intensive Begleitung der jungen Menschen
, u.a. durch Seminare, die Persönlichkeitsentwicklung und politische
Bildung ebenso fokussieren wie fachliche Schulungen und
Berufsorientierung. Würden Pflichtdienste eine ähnliche Qualität in
der Begleitung und Förderung bieten, wäre es wohl nicht nötig, sie
erst durch ihre kürzere Dauer jungen Männer schmackhaft zu machen.

Zwtl.: Friedensarbeit, Dialog und Wahlfreiheit

Besonders hervorgehoben wird der interkulturelle und
interreligiöse Dialog zwischen den Generationen, den das FSJ durch
die Mitarbeit in den verschiedensten Sozialeinrichtungen Österreichs
ermöglicht. Diese Erfahrungen stärken Empathie, Verständnis und
Dialogfähigkeit – Fähigkeiten, die für gesellschaftlichen
Zusammenhalt, wehrhafte Demokratie und starke Zivilgesellschaft
zentral sind.

Zwtl.: FSJ als Zivilersatzdienst muss gut wählbar bleiben

Gerade vor dem Hintergrund globaler Aufrüstung sieht der Verein
im FSJ einen bewussten Gegenentwurf. „ In einer Zeit, in der viele
auf militärische Stärke setzen, braucht es Friedensarbeit, die auf
Beziehung, Verantwortung und Solidarität baut “, sagt Prüller-
Jagenteufel. Ebenso wichtig sei die Wahlfreiheit: „ Wir reden hier
über die Lebenszeit junger Erwachsener. Sie sollten selbst
entscheiden können, wie sie diese Zeit verbringen. Nur so entstehen
Motivation und echte Sinnhaftigkeit. “ Dafür müsse ein FSJ als
Zivilersatzdienst jedoch zu gleichen oder wenigstens ähnlichen
Bedingungen absolviert werden können wie ein Zivildienst oder
Wehrdienst.

In Anbetracht dessen ist es umso wichtiger für Marcus, dass sich
die gesellschaftliche Debatte nicht auf die Dauer von Pflichtdiensten
beschränken dürfe. „ Wenn wir jungen Erwachsenen Sinnhaftigkeit,
Nachhaltigkeit und persönliche Entwicklung ermöglichen, investieren
wir in eine starke, verantwortungsbewusste Gesellschaft “, betont
Marcus. „Das FSJ leistet dazu einen unverzichtbaren Beitrag – heute
und für die Zukunft.“

Das FSJ, das von Pfadfinder*innen Österreichs, Katholischer
Jugend, Katholischer Jungschar, Kolping und Jesuitenmission getragen
wird, möchte wie bisher auch künftig jungen Männern, die damit ihrer
gesellschaftlichen Verpflichtung zu einem Einsatz für ein gutes und
sicheres Miteinander in Österreich nachkommen wollen, gute
Rahmenbedingungen dafür bieten können – und appelliert an die
Politik, die Empfehlungen der Kommission in Richtung einer fairen und
sinnvollen Angleichung der Bedingungen für Wehrdienst, Zivildienst
und Zivilersatzdienst weiterzuentwickeln.