Österreich (OTS) – Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Freude haben wir das gesetzlich geregelte Handyverbot an
Grundschulen unterstützt. Mit großem Interesse verfolgen wir nun auch
die aktuellen Überlegungen zu weiterführenden Regelungen im Bereich
der Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche.
Als Logopäd_innen sind wir täglich mit Kindern konfrontiert, die
aufgrund von Kommunikations-, Aufmerksamkeits- und anderen
Entwicklungsstörungen im Bereich Sprache, Sprechen, Hören,
Kommunikation und Nahrungsaufnahme in unseren Praxen und Kliniken
vorgestellt werden.
Wissenschaftliche Erkenntnisse sowie zahlreiche aktuelle Fachbeiträge
zeigen deutlich, dass ein übermäßiger und zu früh einsetzender
digitaler Medienkonsum die kindliche Entwicklung beeinträchtigen und
bestehende Entwicklungsstörungen verstärken kann. Diese Entwicklungen
stellen eine zunehmende Belastung für das Gesundheits- und
Bildungssystem dar.
Eine zentrale Rolle spielt dabei auch das Medienverhalten der
Bezugspersonen. Wenn Kleinkinder nicht ausreichend Aufmerksamkeit,
Beziehung und Interaktion erfahren, weil digitale Geräte die
elterliche Präsenz verdrängen, fehlen grundlegende Voraussetzungen
für eine gesunde emotionale, soziale und kommunikative Entwicklung.
Ein bewusster und altersgerechter Umgang mit digitalen Medien ist
daher ein wesentlicher Bestandteil der Prävention. In den vergangenen
Jahren ist dieses Bewusstsein jedoch zunehmend verloren gegangen.
Aus unserer Sicht braucht es daher:
–
breite, niederschwellige und regelmäßige Informationsangebote für
die Bevölkerung
–
frühzeitige Beratung und Unterstützung für Eltern
–
eine stärkere Verankerung relevanter Berufsgruppen im Rahmen des
Eltern-Kind-Passes
Wir sind nicht die politischen Entscheidungsträger, jedoch
Expert_innen für Sprache, Kommunikation und deren Entwicklung. In
unserer täglichen Arbeit erleben wir die langfristigen Folgen eines
problematischen Medienkonsums und versuchen mit hohem fachlichen und
finanziellen Aufwand, diese abzumildern.
Die Problematik betrifft die gesamte Gesellschaft. Alle politischen
Parteien tragen Verantwortung für die kommenden Generationen und sind
gefordert, auf Basis der bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse
wirksame und nachhaltige Maßnahmen zu setzen.
Wir sind überzeugt, dass Ihnen für eine fundierte
Entscheidungsfindung zahlreiche Expert_innen zur Seite stehen. Gerne
bringen auch wir als Berufsverband der Logopäd_innen in Österreich
unsere fachliche Expertise in diesen Prozess ein – mit dem Ziel,
nicht nur Verbote auszusprechen, sondern langfristig einen gesunden
und bewussten Medienumgang zu fördern.
Mit freundlichen Grüßen und Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Martina Neumayer-Tinhof, MSc
Präsidentin
Berufsverband logopädie austria

