FCIO warnt nach Industriegipfel in Antwerpen: Europas Industrie verliert rasant an Wettbewerbsfähigkeit

Wien (OTS) – Europas Industrie steht an einem Wendepunkt – das war
die klare
Botschaft des gestrigen Industriegipfels in Antwerpen an die EU-
Staats- und Regierungschefs, die sich heute beim informellen EU-Rat
in Alden Biesen treffen. Neben mehr als 500 hochrangigen
Unternehmensvertretern nahm auch der Fachverband der Chemischen
Industrie Österreichs (FCIO) am Industriegipfel teil. Dabei zeigte
sich ein klares Bild: Europa verliert schneller industrielle
Substanz, als politisch reagiert wird. Hohe Energiepreise,
regulatorische Belastungen und Investitionsstau vertreiben
Wertschöpfung aus Europa – mit spürbaren Folgen auch für Österreich.
Ohne rasche politische Entscheidungen geht Europas industrielle Basis
verloren.

Zahlen belegen den alarmierenden Trend: Bislang wurden nur rund
11 Prozent der von Mario Draghi im Herbst 2024 empfohlenen Maßnahmen
zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit umgesetzt, während
sich 83 Prozent der zentralen Industrieindikatoren in den vergangenen
zwei Jahren nicht verbessert haben. Gleichzeitig nehmen
Standortschließungen und Investitionsrückgänge weiter zu. „ Das ist
kein vorübergehender Abschwung, sondern ein struktureller
Wettbewerbsverlust “, warnt FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch. „ Europa
verliert Industrie und Wertschöpfung in einem Tempo, das wir so noch
nicht erlebt haben. “

Zwtl.: Ohne Chemie keine Industrie, ohne Industrie kein Wohlstand

Die chemische Industrie ist von dieser Entwicklung besonders
stark betroffen. Sie liefert Vorprodukte für rund 96 Prozent aller in
der EU hergestellten Waren und bildet damit das Fundament nahezu
aller industriellen Wertschöpfungsketten. „ Wenn Chemieproduktion
wegbricht, verlieren wir nicht nur Fabriken, sondern die Fähigkeit,
Transformation, Versorgungssicherheit und Innovation überhaupt noch
im eigenen Wirtschaftsraum umzusetzen “, betont Wieltsch.

Zwtl.: Es ist höchste Zeit zu handeln

Die Entwicklungen auf europäischer Ebene sind längst auch in
Österreich spürbar. Investitionen werden verschoben,
Produktionsentscheidungen neu bewertet. „Das ist keine theoretische
EU-Debatte, sondern eine konkrete Standortfrage auch für Österreich“,
so Wieltsch. Umso positiver bewertet der FCIO, dass Bundeskanzler
Stocker in seiner Rede beim Industriegipfel konkrete Forderungen
erhoben hat, um die EU wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Auch im
anschließenden Austausch mit Vertretern der österreichischen
Wirtschaft gab es eine breite Übereinstimmung zu den vordringlichen
Problemen und notwendigen Maßnahmen, insbesondere der Reduktion der
Energiepreise. Ein weiteres Thema, bei dem die Zeit besonders drängt,
war das Auslaufen der ETS-Gratiszertifikate. Dies würde erhebliche
Mehrkosten verursachen und muss daher in Zeiten einer anhaltenden
Wirtschaftskrise verschoben werden. Gleichzeitig braucht es mehr
Ambitionen bei der Umsetzung der sogenannten Omnibus-Regelungen zum
Bürokratieabbau: Leider werden diese Initiativen oft nur halbherzig
verfolgt und verzögert, sodass die versprochene Entlastung nicht bei
den Firmen ankommt.

Die Erwartungen der Antwerpen-Teilnehmer an das heutige Alden-
Biesen-Treffen sind daher hoch: Es braucht politische Entscheidungen,
damit die vielen vorgeschlagenen Lösungen endlich auf den Weg
gebracht werden können. „ Europa darf sich nicht weiter selbst
schwächen “, hält Wieltsch fest. „ Jetzt braucht es klare Prioritäten
für Industrie, Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung, sonst
entscheiden sich Unternehmen dauerhaft gegen Europa und gegen
Österreich. “