St. Pölten (OTS) – Auch 2026 verdienen Niederösterreicherinnen um
15,9 Prozent weniger
als Niederösterreicher, trotz ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung.
„Wäre Teilzeit berücksichtigt – und Teilzeit ist vielfach die
Realität niederösterreichischer Arbeitnehmerinnen – dann wäre dieser
Unterschied mehr als doppelt so hoch“, so Arbeiterkammer
Niederösterreich-Präsident und ÖGB Niederösterreich-Vorsitzender
Markus Wieser.
In diesem Zusammenhang verweist Wieser auf eine aktuelle Erhebung
der AK zu den Kosten für die Nachmittagsbetreuung in
Niederösterreich. Das Gehaltsplus einer Handelsangestellten mit zwei
kleinen Kindern wird durch eine Stundenaufstockung von 25 auf 35
Stunden Arbeitszeit pro Woche (Mehrverdienst: 444 Euro netto) beinahe
zur Gänze von den Kosten der Nachmittagsbetreuung inkl. Mittagessen (
2 x 202 Euro) aufgesogen: Es bleibt ihr abzüglich der Kosten für die
Kinderbetreuung ein Plus von nur 40 Euro.
Die Lösung liegt für Didem Strebinger, Frauenvorsitzende des ÖGB
Niederösterreich, auf der Hand: „Wer ernsthaft will, dass Frauen mehr
arbeiten können, dass Frauen existenzsichernde Einkommen haben, und
dass Frauen mit ihrer Arbeit sozial abgesichert sind, der muss in
Kinderbildung und -betreuung investieren.“ Auch was das heißt, zeigt
Strebinger auf: „Flächendeckend, vollzeittauglich, mit hoher Qualität
und kostenlos. Dazu gibt es keine Alternative.“
Ein wichtiger Faktor für die Einkommenslücke ist auch die
Branche: Typische Frauenbranchen werden gesellschaftlich und somit
auch finanziell schlechter bewertet als klassische Männerdomänen.
Vielfach wird daher als Patentlösung angepriesen, Frauen verstärkt in
diesen Branchen zu etablieren. Eine von der AK Niederösterreich
beauftragte Studie kam jedoch zu dem erschreckenden Ergebnis, dass
sechs von zehn befragten Frauen in diesen männerdominierten Branchen
Industrie und Gewerbe sowie IKT angeben, geschlechtsbezogene
Belästigung zu erleben. „57 Prozent der befragten Frauen waren von
sexueller Belästigung betroffen. Wenn man also möchte, dass mehr
Frauen in diesen Branchen erfolgreich sind, dann müssen Betriebe auch
ihre Fürsorgepflicht wahrnehmen. Das kann zum Beispiel mit guten
Präventionskonzepten funktionieren“, hält Strebinger fest.
Positiv am Internationalen Frauentag 2026 stimmt Wieser der
tickende Countdown zur Umsetzung der EU- Lohntransparenzrichtlinie.
Wie genau nationale Umsetzung aussehen wird, ist zum jetzigen
Zeitpunkt noch nicht bekannt. Es bleibt aber zu hoffen, dass sie in
einer Maximalvariante erfolgt, sodass Diskriminierung beim Entgelt
endlich Geschichte ist. Berechnungen der Statistik Austria legen
nahe, dass es sich bei rund zwei Drittel der derzeit bestehenden
Einkommenslücke um geschlechtsbezogene Entgeltdiskriminierung
handelt.
Wesentlich ist zudem die Aufwertung von typischen Frauenbranchen.
Der AK Niederösterreich-Präsident mahnt hinsichtlich des enormen
Bedarfs an zusätzlichen Pflegekräften eine umfassende
gesellschaftliche und finanzielle Aufwertung der Pflege und aller
weiteren typischen Frauenbranchen ein und will künftig auch mehr
Männer in diesen Branchen, die den Grundstein unserer Gesellschaft
bilden, sehen. „Menschen sind wertvoll – sie sind nicht nur wertvolle
Arbeitskräfte, sie zahlen Steuern, konsumieren und kaufen ein.
Deshalb tun wir alles, damit auch in Zukunft Menschen und ihre Arbeit
wertgeschätzt und honoriert werden.“

