Wien (OTS) – Das österreichische Pensionssystem muss reformiert
werden. Darüber
besteht kein Zweifel. Aber wer glaubt, Reform bedeute vor allem,
Pensionen zu kürzen, verwechselt Strukturpolitik mit politischer
Bequemlichkeit. Pensionen sind nicht bloß ein Budgetposten. Sie sind
Kaufkraft, Konsum, Stabilität und für viele Menschen die Grundlage
eines würdigen Lebensabends. Wer hier mit dramatischen Kürzungen
ansetzt, trifft daher nicht nur ältere Menschen, sondern auch
Binnenwirtschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade in
Österreich wäre das ein gefährlicher Fehler.
Auch international ist die Lage klarer, als viele tun. Die OECD
betont, dass Reformen die Angemessenheit der Pensionen und die
finanzielle Nachhaltigkeit des Systems gleichzeitig sichern müssen.
Reform bedeutet also nicht Kahlschlag, sondern Balance. Es geht nicht
um eine einzige Stellschraube, sondern um Demografie,
Lebenserwartung, Erwerbsbeteiligung, Produktivität, Systemeffizienz,
Finanzierbarkeit und die erfolgreiche Integration in Arbeit und
Beitragsleistung. Eine Reform des Pensionssystems ist notwendig. Aber
einfach Pensionen zu kürzen, wäre wirtschaftlich kurzsichtig, sozial
falsch und politisch ein Armutszeugnis. Wer älteren Menschen
Kaufkraft entzieht, gefährdet Konsum, Stabilität und am Ende auch den
sozialen Frieden, so Dr. Christian Joksch, Gründer von IMADEC
Executive Education.
Besonders deutlich formuliert das Vitor Gaspar mit seinen IMF-
Koautoren: The challenge is to reform pension systems without hurting
their ability to provide income security for the elderly and prevent
old-age poverty. Genau darum geht es auch in Österreich. Reformen ja,
aber nicht so, dass Einkommenssicherheit zerstört und Altersarmut
verschärft wird.
Auch der LSE-Ökonom Nicholas Barr bringt den Kern der Sache auf
den Punkt: The purpose of pensions is to give pensioners a
comfortable old age. Wer das ernst nimmt, kann die Pensionsfrage
nicht auf kalte Budgetarithmetik reduzieren. Es geht auch um Würde,
Sicherheit und Verlässlichkeit im Alter. Und selbst aus
ordnungspolitischer Sicht greift die pure Kürzungslogik zu kurz.
Hayek warnte vor Systemen, in denen Pensionen bloß zu politisch
bestimmten Leistungen aus laufender Besteuerung werden. Daraus folgt
aber gerade nicht, dass man komplexe Fehlentwicklungen einfach durch
pauschale Leistungskürzungen behebt. Wer sich auf Hayek beruft, muss
über Fehlanreize, Systemarchitektur und langfristige Tragfähigkeit
sprechen, nicht bloß darüber, wem man als Erstem etwas wegnimmt.
Wer bei Pensionen pauschal zur Schere greift, weil ihm für echte
Reformen Mut und Ideen fehlen, löst kein Problem. Er verschiebt es
nur – in Kaufkraftverlust, Unsicherheit und ein höheres Risiko von
Altersarmut. Nachhaltigkeit entsteht nicht durch Kahlschlag, sondern
durch Strukturreformen mit Vernunft und Verantwortung, so Joksch.
Österreich braucht daher keine Kürzungspolitik gegen
Pensionisten, sondern eine ernsthafte Reformdebatte über Demografie,
Erwerbsbeteiligung, Produktivität, Integration in Arbeit,
Systemeffizienz und langfristige Finanzierbarkeit. Reform ja. Aber
nicht als Angriff auf Kaufkraft, Sicherheit und Würde der älteren
Generation.

