Umfrage WIFI Wien: Erster KI-Hype kühlt ab, jetzt zählt konkrete Anwendung

Wien (OTS) – Der erste KI-Hype in der Erwachsenenbildung ist vorbei.
Gefragt sind
nicht mehr digitale Versprechen oder technologische Schlagworte,
sondern konkrete, arbeitsplatznahe Anwendungen mit erkennbarem
Nutzen. Das zeigt eine aktuelle OGM-Umfrage im Auftrag des WIFI Wien.
Während abstrakte digitale Angebote wie Bildungsplattformen oder
automatisierte Lernpfade gegenüber dem Vorjahr deutlich an
Attraktivität verlieren, steigt das Interesse an praktischen KI-
Übungen und an KI-gestützter Lernbegleitung.

„Nach der Euphorie folgt die Relevanz: Technologie muss
unterstützen, nicht dominieren. Entscheidend ist jetzt, ob
technologische Entwicklungen im beruflichen Alltag wirklich
weiterhelfen“, sagt Christian Faymann, Leiter des WIFI Wien der
Wirtschaftskammer Wien. 2026 sieht Faymann als das Jahr der
Entzauberung. Technologie werde nicht mehr als Innovation an sich
wahrgenommen, sondern ausschließlich als Werkzeug für messbaren
beruflichen Nutzen.

Weniger Technikbegeisterung, mehr berufliche Relevanz

Die Umfrage zeigt eine klare Verschiebung von der Euphorie hin
zur Anwendbarkeit: Digitale Bildungsplattformen verlieren von 46 auf
32 Prozent an Zustimmung, automatisierte Lernpfade von 33 auf 16
Prozent. Gleichzeitig gewinnen konkrete KI-Formate deutlich an
Bedeutung. Praktische KI-Übungen steigen von 20 auf 30 Prozent, KI-
Assistenten zur Lernbegleitung von 17 auf 24 Prozent.

Technologie wird damit nicht grundsätzlich abgelehnt, aber
deutlich selektiver bewertet. Akzeptanz entsteht dort, wo KI den
beruflichen Alltag verbessert und mit menschlicher Expertise
verbunden wird.

Weiterbildung gewinnt an Bedeutung, Entscheidungen werden
bewusster

Parallel dazu zeigt die OGM-Umfrage, dass berufliche
Weiterbildung insgesamt an Bedeutung gewinnt. 45 Prozent der
Wienerinnen und Wiener planen in den kommenden zwei Jahren eine
berufliche Weiterbildung, im Jahr 2025 waren dies noch 39 Prozent.
Gleichzeitig ist der Anteil der Unentschlossenen von 9 auf 13 Prozent
gestiegen, während die klare Ablehnung von 52 auf 42 Prozent
zurückgegangen ist. Das zeigt, dass mehr Menschen eine Weiterbildung
ernsthaft in Betracht ziehen, sich aber bewusster und später
entscheiden als im Vorjahr.

Damit wird Weiterbildung noch stärker als strategische Option in
einer volatilen Arbeitswelt gesehen. Sie ist weniger automatische
Reaktion, sondern zunehmend bewusste Investition, die Orientierung
geben und klaren Nutzen im Beruf stiften soll. „Weiterbildung ist für
viele Menschen heute keine reflexhafte Maßnahme mehr, sondern eine
bewusste Zukunftsentscheidung. Gerade deshalb braucht es Angebote,
die praxisnah sind, Orientierung geben und konkret im Beruf
weiterhelfen“, so Faymann.

Karrierenutzen wird seltener bezweifelt, aber stärker
eingefordert

Auch klassische Vorbehalte gegenüber Weiterbildung verlieren an
Gewicht. Der häufigste Grund gegen Weiterbildung, der fehlende
Karrierenutzen, ist von 21 Prozent im Jahr 2025 auf 17 Prozent im
Jahr 2026 gesunken. Auch Kostenargumente sowie mangelnde
Unterstützung durch Arbeitgeber werden seltener genannt.

Zentral bleibt der erwartete Mehrwert: Weiterbildung überzeugt
heute weniger durch Versprechen als durch belegbare Wirkung,
Transparenz und Anschlussfähigkeit im Beruf.

Praxisnähe bleibt das wichtigste Qualitätskriterium

Besonders klar fällt das Umfrageergebnis bei den Auswahlkriterien
aus: Für 65 Prozent ist Praxisnähe das mit Abstand wichtigste
Kriterium bei Weiterbildungsangeboten. Damit liegt sie deutlich vor
Zertifikaten mit 40 Prozent, Online-Teilnahme mit 34 Prozent und
Preis mit 33 Prozent.

Weiterbildung wird also vor allem danach beurteilt, ob sie im
Arbeitsalltag konkret wirkt. Für das WIFI Wien bestätigt das den
hohen Stellenwert berufsnaher und anwendungsorientierter
Bildungsangebote.

Weiterbildung auf Augenhöhe mit klassischen Abschlüssen

Die Umfrage zeigt auch, dass kontinuierliche Weiterbildung und
berufsspezifische Zertifikate heute beinahe gleich wichtig
eingeschätzt werden wie klassische Bildungsabschlüsse. 66 Prozent der
Befragten sehen sie als starken oder sehr starken Faktor für
langfristigen beruflichen Erfolg. Hochschulabschlüsse kommen auf 69
Prozent, Lehrabschlüsse auf 67 Prozent.

Die Matura verliert damit ihre Alleinstellung als
Erfolgsindikator. Für viele Menschen zählt zunehmend weniger der
einmalige Abschluss als die Fähigkeit, sich laufend
weiterzuentwickeln und neue Kompetenzen aufzubauen. Weiterbildung
wird nicht mehr als Ausnahme oder Reaktion gesehen, sondern als
selbstverständlicher Bestandteil moderner Erwerbsbiografien – für
Fachkräfte ebenso wie für Unternehmer.

WIFI Wien bleibt der bekannteste Anbieter

Das WIFI Wien ist weiterhin der bekannteste Anbieter in der
Erwachsenenbildung. 91 Prozent der Wiener Bevölkerung kennen das WIFI
Wien, bei den 18- bis 29-Jährigen liegt die Bekanntheit bei 86
Prozent.

Neben der Sichtbarkeit punktet das WIFI Wien mit einer klaren
Positionierung: Ausschlaggebend für Bildungsentscheidungen sind heute
Relevanz, Praxisnutzen und glaubwürdige Angebote für die
Anforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt.

Zum KI-Führerschein: www.wifiwien.at/kurs/28120x

Zur Umfrage „Berufliche Weiterbildung in Wien“

Die Umfrage wurde von OGM research & communication zur
beruflichen Weiterbildung in Wien im März/April 2026 im Auftrag des
WIFI Wien durchgeführt.