Afrika als dynamischer Partner für europäische Philanthropie

Wien (OTS) – Das Innovationspotenzial in afrikanischen Ländern wird
vielfach
unterschätzt. Doch wer die Dynamiken des Kontinents jenseits
verbreiteter Bilder versteht, erkennt neue Chancen für wirksame
Philanthropie, strategische Kooperationen und nachhaltigere
wirtschaftliche Entwicklung. Diese Perspektive stand im Zentrum der
Veranstaltung „Philanthropie in Afrika“ am 27. April in Wien.
Organisiert vom Verband für gemeinnütziges Stiften (VgS) in
Kooperation mit der Austrian Development Agency (ADA), brachte die
Veranstaltung Vertreter:innen aus gemeinnützigen Stiftungen,
Entwicklungszusammenarbeit und Wirtschaft zusammen.

Zwtl.: Afrika differenziert betrachten

Viele afrikanische Länder sind heute von rasantem
wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und technologischem Fortschritt
geprägt. Dahinter stehen zunehmend bedarfsorientierte Innovationen:
Weil klassische Infrastrukturen wie Festnetztelefonie oder
flächendeckende Bankensysteme vielerorts fehlen, werden ganze
Entwicklungsschritte übersprungen. So haben sich etwa Länder wie
Kenia, Nigeria oder Südafrika zu Zentren für mobile Zahlungssysteme
und FinTech-Lösungen entwickelt. Gleichzeitig entstehen im
Gesundheitsbereich HealthTech-Lösungen wie digitale Malaria-
Diagnostikverfahren. Auch in der nachhaltigen Energie und
Kreislaufwirtschaft zeigt sich die Innovationskraft: Beispiele
reichen von solaren Energiesystemen in Südafrika über groß angelegte
Programme für erneuerbare Energien in Marokko bis hin zu lokal
entwickelten Prothesen aus recyceltem Elektronikmaterial in Kenia.

„Diese Entwicklungen zeigen: Afrika wird entgegen medial
verbreiteter Bilder zunehmend zum Kontinent der Chancen“ , bringt
Günther Lutschinger, geschäftsführender Vorstand des Verbandes für
gemeinnütziges Stiften , den Zugang der Veranstaltung auf den Punkt.
Gerade in Zukunftsfeldern wie FinTech, grüner Energie und
Medizintechnik eröffnen sich vielfältige Potenziale für wirksame
Philanthropie und nachhaltige Entwicklung. Dieser Ansatz bildete auch
den Mittelpunkt der Keynote von Christoph Schmocker , der unter
anderem für die UBS Optimus Foundation, die Roger Federer Foundation
und die Julius Baer Foundation tätig war und heute für den DG Murray
Trust in Südafrika arbeitet.

Zwtl.: Kooperationen auf Augenhöhe

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich: Zukunftsfähige
Philanthropie setzt auf enge Zusammenarbeit mit lokalen
Wirtschaftspartner:innen, um globale Herausforderungen wirksam zu
adressieren – etwa in den Bereichen Klimaschutz, Bildung und
Förderung von Social Businesses. Darüber diskutierten Bernd Brünner (
Geschäftsführer der Austrian Development Agency), Martin Essl (Essl
Foundation / Zero Project), Christoph Schmocker (DG Murray Trust),
Alice Schmidt (Weitblick GmbH) sowie Marisa Schiestl-Swarovski (
Swarovski Foundation). Moderiert wurde das Gespräch vom EZA-Experten
Christoph Schweifer .

„Internationale Partnerschaften mit Afrika sind eine Investition
in Stabilität, wirtschaftliche Perspektiven und eine Zukunft, von der
alle Seiten profitieren. Wenn Stiftungen Innovation, Humanität und
soziales Engagement ermöglichen und langfristig auf Staaten als
verlässliche Partner zählen können, entsteht nachhaltige Wirkung –
für die Menschen vor Ort ebenso wie für Europa. Mit
Entwicklungszusammenarbeit übernimmt Österreich hier gemeinsam
Verantwortung. So leisten wir für die Herausforderungen unserer Zeit
einen Beitrag“ , betont ADA-Geschäftsführer Bernd Brünner .
Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre
Hilfe arbeitet mit internationalen Organisationen, öffentlichen
Stellen, der Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und Unternehmen
in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa zusammen. Gemeinsam mit den
Menschen in Österreichs Partnerländern schafft die ADA bessere
Lebensbedingungen in deren Heimat – etwa durch Aus- und
Weiterbildung, die Förderung von Kleinunternehmen oder innovative
Lösungen für Wasserversorgung und Landwirtschaft. Armut mindern,
Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum ihrer Arbeit.

Zwtl.: Relevanz für den Stiftungssektor wächst

Auch für den österreichischen Stiftungssektor gewinnt die
internationale Perspektive an Bedeutung. Der VgS sieht in globalem
Lernen und internationaler Vernetzung zentrale Hebel für mehr
Wirkung, wie Günther Lutschinger betont: „Von geopolitischen
Spannungen über Klimafragen bis zu wirtschaftlicher Neuorientierung –
internationale Entwicklungen wirken direkt auf Österreich. Umso
wichtiger ist es, Partnerregionen wie Afrika differenziert zu
verstehen und Kooperationen auf Augenhöhe zu gestalten.“ Ein Beispiel
für eine internationale Partnerschaft mit Impact ist die Initiative
„Ahueni“, an der u.a. die Weitblick GmbH beteiligt ist. Gemeinsam mit
Stiftungen aus Liechtenstein, Schweden und der Schweiz wurde ein
partnerschaftliches Modell entwickelt, das in der Maasai Mara ein
Carbon- und Naturschutzprojekt umsetzt und lokale Gemeinden dabei
unterstützt, ihre Flächen nachhaltig zu bewirtschaften.

Der Verband für gemeinnütziges Stiften (VgS) ist der Dachverband
gemeinnützig tätiger Stiftungen in Österreich (187 Mitglieder) und
setzt sich für bessere Rahmenbedingungen und die Weiterentwicklung
des Sektors ein. https://www.stiften.at/