Wien (OTS) – In Wien sind 60 Prozent und somit mehr als die Hälfte
der Betriebe (
76.206) Ein-Personen-Unternehmen (EPU). „Ein-Personen-Unternehmen
bleiben ein stabiler Pfeiler der Wiener Wirtschaft“, sagt Walter
Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien. Mehr als ein Fünftel
aller heimischen EPU sind in der Bundeshauptstadt angesiedelt. Das
geht aus dem aktuellen EPU-Monitoring-Bericht hervor.
Wo sind die EPU in Wien?
Besonders stark vertreten sind EPU in der Sparte Gewerbe und
Handwerk. Hier machen sie rund 40 Prozent (34.082 EPU) der
Mitgliedsbetriebe aus. In der Sparte Information und Consulting sind
es rund 29 Prozent (24.659 EPU). An dritter Stelle liegt der Handel
mit rund 19 Prozent (15.825 EPU) und trägt damit ebenfalls maßgeblich
zur Struktur der Wiener EPU-Landschaft bei.
EPU sind dabei weit mehr als eine statistische Größe. Sie sichern
täglich die wirtschaftliche Grundversorgung in zahlreichen Bereichen
– von Dienstleistungen über Kreativwirtschaft bis hin zu Handel und
Gewerbe. Als flexible Auftragnehmer, Zulieferer und Spezialisten
halten sie zahlreiche wirtschaftliche Abläufe am Laufen. EPU sorgen
immer wieder dafür, dass Wertschöpfung überhaupt erst möglich wird.
Ihre hohe Anpassungsfähigkeit macht sie gerade in wirtschaftlich
herausfordernden Zeiten zu einem stabilisierenden Faktor.
Auch geographisch zeigt sich eine Besonderheit. Die meisten EPU
haben ihren Standort, der gleichzeitig oft mit dem Wohnsitz
übereinstimmt, in den äußeren Bezirken. Spitzenreiter ist hier
Währing mit rund 67 Prozent, gefolgt von Meidling mit rund 65 Prozent
und Hernals mit ebenfalls rund 65 Prozent. Auch Hietzing und Penzing
haben einen EPU-Anteil von jeweils rund 65 Prozent.
„Die Stärke des Wirtschaftsstandorts Wien, ist seine
Heterogenität. Die Vielfalt der Branchen und Unternehmensgrößen macht
ihn resilienter, weshalb sich Wien wirtschaftlich besser entwickelt
als Gesamtösterreich, vor allem auch wenn die Konjunktur nicht so
brummt wie sie sollte. Ein-Personen-Unternehmen sind dabei ein
unverzichtbarer Bestandteil. Sie repräsentieren zudem, wie flexibel,
innovativ und unternehmerisch mutig die Menschen hier sind“, sagt
Ruck.
Trotz dieser zentralen Bedeutung sehen sich viele EPU mit
steigenden Kosten, wachsender Bürokratie und unsicheren
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert. Denn EPU, die als
One-Man- oder One-Woman-Show ohne administrative Unterstützung
arbeiten, sind von zusätzlichen Belastungen besonders betroffen.
Wer sind die EPU in Wien?
Besonders stark vertreten sind EPU in der Altersgruppe 40 bis 59
Jahre, dort findet man rund 49 Prozent aller EPU. Das Verhältnis
Männer und Frauen ist ziemlich ausgewogen: Rund 55 Prozent männliche
und rund 45 Prozent weibliche EPU bestreiten ihren Unternehmensalltag
allein.
In den Top 5 Berufsgruppen sind viele kreative Berufe vertreten.
Rund 89 Prozent der Fotografen sind EPU bzw. 81 Prozent der
Unternehmen, die der Fachgruppe Kunsthandwerke zuzurechnen sind. In
der Film- und Musikwirtschaft sind es rund 76 Prozent. Stark
vertreten ist auch der Direktvertrieb mit 87 Prozent bzw. die
Persönlichen Dienstleister mit rund 80 Prozent.
Entlastungen und weiterer Handlungsbedarf
Einige Forderungen der Wirtschaftskammer für die Ein-Personen-
Unternehmen wurden bereits umgesetzt. So kann ein Arbeitszimmer im
Wohnungsverband mit 1.200 Euro abgeschrieben werden. Außerdem wurde
die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer von 35.000 Euro auf 55.000 Euro
erhöht. Und eine direkte Entlastung bei kleineren Investitionen ist
die Erhöhung der Abschreibungsgrenze von 800 Euro auf 1.000 Euro.
Aus Sicht der Wirtschaftskammer besteht noch weiterer
Handlungsbedarf. Eine Erhöhung der Umsatzgrenze von 55.000 Euro auf
85.000 Euro kann EPU weiter entlasten und deren steuerliche Pflichten
vereinfachen. Sinnvoll ist auch eine weitere Anhebung der Grenze für
geringwertige Wirtschaftsgüter auf 2.500 Euro, um Investitionen zu
erleichtern und den bürokratischen Aufwand zu senken. Außerdem sollte
der Verlustrücktrag als dauerhaftes Instrument verankert werden, um
temporäre Krisen besser abzufedern.
„Ein-Personen-Unternehmen halten an vielen Stellen die Wirtschaft
am Laufen. Umso wichtiger ist es, dass sie sich auf das konzentrieren
können, was sie am besten können: unternehmerisch tätig sein“, sagt
Ruck abschließend.


