Osteoporose bleibt oft unerkannt: LBG- und CSH-Forschung zeigt Lücken bei der Diagnose nach Knochenbrüchen auf

Wien (OTS) – Eine österreichweite Studie des Ludwig Boltzmann
Instituts für
Osteologie (LBI Osteologie) und des Complexity Science Hub (CSH)
zeigt, dass viele Frakturen als typische Frühwarnzeichen für
Osteoporose gelten, jedoch im Klinikalltag häufig nicht als solche
erkannt und dokumentiert werden. Dabei sind Männer und jüngere
Patient:innen häufiger betroffen.

Osteoporose, eine Erkrankung, bei der die Knochen an Dichte und
Stabilität verlieren, zählt zu den häufigsten Erkrankungen im höheren
Lebensalter und erhöht das Risiko für Knochenbrüche erheblich.
Trotzdem wird sie häufig erst nach dem ersten typischen „Osteoporose-
Bruch“, beispielsweise an der Hüfte, erkannt. Eine neue Studie des
LBI Osteologie und des CSH liefert erstmals einen österreichweit
umfassenden Überblick darüber, wie Osteoporose und verschiedene
Frakturtypen in österreichischen Krankenhausdaten gemeinsam
auftreten. Die Ergebnisse wurden nun im renommierten Fachjournal Bone
publiziert und zeigen, dass Knochenbrüche meist Teil eines komplexen
Musters aus mehreren Erkrankungen sind und unterstreichen die
Bedeutung einer konsequenten Osteoporose-Abklärung zum Zeitpunkt
eines Knochenbruchs.

Zwtl.: Knochenbrüche oft im Zusammenhang mit weiteren
Gesundheitsfaktoren

Knochenbrüche entstehen meist nicht durch eine einzelne Ursache.
Neben der Knochenmineraldichte spielen auch Begleiterkrankungen, das
Sturzrisiko sowie der allgemeine Gesundheitszustand eine wichtige
Rolle. Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, analysierte das
Forschungsteam österreichische Krankenhausdaten von mehr als 1,7
Millionen Patient:innen im Alter zwischen 50 und 79 Jahre, die
zwischen 2003 und 2014 im Rahmen von Versicherungsansprüchen erhoben
wurden. Anstatt einzelne Erkrankungen isoliert zu betrachten,
untersuchten die Forschenden erstmals österreichweit, welche
Diagnosen gemeinsam mit Osteoporose und verschiedenen Frakturtypen
auftreten.

„Osteoporose und Knochenbrüche treten in der klinischen Praxis
häufig gemeinsam mit vielen weiteren Erkrankungen, wie zum Beispiel
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen oder
neurologische Erkrankungen auf“, erklärt Martina Behanova,
Studienerstautorin und Senior Researcher am LBI Osteologie. Roland
Kocijan, Leiter des Bereichs Osteologie und seltene
Knochenerkrankungen am Hanusch-Krankenhaus Wien ergänzt: „Um das
Risiko weiterer Frakturen zu verhindern, empfehlen wir daher das
gesamte Gesundheitsprofil der Patient:innen zu berücksichtigen.
Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine konsequente
Osteoporose-Abklärung nach einem Knochenbruch ist, um weitere
Frakturen zu verhindern.“

Zwtl.: Osteoporose wird nicht bei allen Frakturarten gleichermaßen
dokumentiert

Im Zuge der Studie wurde klar, dass Osteoporose bei vielen
Frakturarten nicht systematisch dokumentiert wird, obwohl diese
Brüche häufig auf eine zugrunde liegende Knochenschwäche hinweisen
und teilweise bereits als typische Fragilitätsfrakturen gelten.
Besonders deutlich wurden die Unterschiede zwischen verschiedenen
Knochenbruchtypen. Hüftbrüche standen am häufigsten mit einer
dokumentierten Osteoporose in Zusammenhang, vor allem bei Frauen ab
60 Jahren.

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass viele typische
osteoporotische Frakturen – insbesondere an Unterarm, Oberarm und
Becken – im klinischen Alltag noch immer nicht konsequent als
Ausdruck einer Osteoporose erkannt werden. Dabei erfüllen diese
Frakturen bereits die Diagnose einer manifesten Osteoporose und
erfordern eine rasche Abklärung sowie den Beginn einer spezifischen
Osteoporosetherapie, um weitere Knochenbrüche zu verhindern.

Besonders alarmierend ist, dass Frakturen häufig nicht isoliert
auftreten, sondern eng mit weiteren Frakturen an anderen
Skelettregionen assoziiert sind. „Jede Fragilitätsfraktur sollte
daher als Warnsignal verstanden werden, um eine Frakturkaskade
frühzeitig zu durchbrechen“, so Kocijan. Dabei ist jedoch zu
beachten, dass die Studie ausschließlich stationäre
Krankenhausaufenthalte erfasste. Ambulant behandelte Brüche, wie sie
bei diesen Frakturtypen häufig vorkommen, konnten nicht
berücksichtigt werden.

Zwtl.: Männer und jüngere Patient:innen seltener dokumentiert

Die Studie zeigte außerdem deutliche Unterschiede zwischen Frauen
und Männern. Während Osteoporose bei Frauen häufiger im Zusammenhang
mit verschiedenen chronischen Erkrankungen wie beispielsweise
Arthrose dokumentiert wurde, erfolgte die Diagnose bei Männern oft
erst im Zusammenhang mit einem bereits eingetretenen Knochenbruch.

Besonders auffällig war, dass Osteoporose bei Männern sowie bei
Patient:innen im Alter von 50 bis 69 Jahren deutlich seltener im
Zusammenhang mit Frakturen diagnostiziert bzw. dokumentiert wurde.
Gleichzeitig fanden sich bei Männern dieser Altersgruppe häufiger
verletzungs- und alkoholassoziierte Begleitdiagnosen.

„Osteoporose wird bei Männern möglicherweise zu spät erkannt“, so
Elma Dervić, Studienautorin und Postdoctoral Researcher am CSH.
„Damit verpassen wir wichtige Chancen, rechtzeitig Maßnahmen
einzuleiten und weitere Frakturen zu verhindern. Eine frühere
Diagnose kann entscheidend sein, um die Knochengesundheit langfristig
zu schützen.“

Publikation :

Behanova, M., Kocijan, R., Dervić E. Sex- and age-specific
comorbidity networks associated with osteoporosis and fragility
fractures in nationwide data, Bone (2026).
https://doi.org/10.1016/j.bone.2026.118014

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