Wien (OTS) – Der Equal Pension Day macht sichtbar, wie groß der
Unterschied
zwischen den Pensionen von Frauen und Männern in Österreich weiterhin
ist. Er markiert jenen Tag, an dem Männer bereits so viel Pension
erhalten haben, wie Frauen erst bis zum Ende des Jahres beziehen.
2026 fällt der Equal Pension Day österreichweit auf den 9. August.
Der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Pensionen von Frauen
und Männern beträgt aktuell 39,4 Prozent. Frauen erhalten damit im
Schnitt deutlich weniger Pension als Männer. „Als der Equal Pension
Day im Jahr 2015 ins Leben gerufen wurde, lag die Pensionslücke noch
bei 43,3 Prozent. Die Situation verbessert sich zwar langsam, aber
viel zu langsam. Frauen verlieren nach wie vor einen erheblichen Teil
ihrer finanziellen Absicherung im Alter“, sagt PVÖ-Präsidentin Birgit
Gerstorfer. ****
Pensionslücke entsteht während des gesamten Erwerbslebens
Die Ursachen für die niedrigeren Pensionen von Frauen liegen vor
dem Pensionsantritt. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger,
arbeiten häufiger in Teilzeit und übernehmen nach wie vor einen
Großteil der unbezahlten Sorgearbeit. Kinderbetreuung und Pflege von
Angehörigen sind gesellschaftlich unverzichtbare Leistungen – führen
aber noch immer häufig zu Nachteilen bei Einkommen und Pension.
„Frauen leisten über Jahrzehnte einen enormen Beitrag für unsere
Gesellschaft. Es kann nicht sein, dass genau diese Leistungen im
Alter zu finanziellen Nachteilen führen. Wer ein Leben lang
Verantwortung übernimmt, verdient auch im Alter Sicherheit und
Anerkennung“, betont Gerstorfer.
Länger arbeiten – aber wo sind die Arbeitsplätze?
Besonders kritisch sieht der PVÖ die Situation älterer Frauen am
Arbeitsmarkt. Durch die schrittweise Anhebung des gesetzlichen
Frauenpensionsantrittsalters müssen viele Frauen länger im
Erwerbsleben bleiben. Gleichzeitig zeigt sich, dass ältere
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach einem Arbeitsplatzverlust oft
große Schwierigkeiten haben, wieder eine Beschäftigung zu finden.
„Viele Frauen stehen in den letzten Jahren vor der Pension vor großen
Herausforderungen – manche verlieren ihren Arbeitsplatz und finden
keinen neuen. Das darf nicht zu einer weiteren Verschlechterung ihrer
späteren Pension führen“, so Gerstorfer. Der PVÖ fordert daher ein
Bonus-Malus-System für Unternehmen: Betriebe, die ältere
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen und deren Erfahrung
nutzen, sollen stärker unterstützt werden. Unternehmen, die ältere
Beschäftigte systematisch verdrängen, müssen stärker in die
Verantwortung genommen werden und einen finanziellen Beitrag leisten.
Der PVÖ fordert:
– Gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit , damit Frauen
während ihres Berufslebens bessere Voraussetzungen für eine
eigenständige Pension schaffen.
– Eine bessere Anrechnung und Absicherung von Kindererziehungs- und
Pflegezeiten , damit gesellschaftlich notwendige Arbeit nicht zu
dauerhaften Pensionsnachteilen führt.
– Ein Bonus-Malus-System für den Arbeitsmarkt , damit ältere
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bessere Chancen auf Beschäftigung
haben.
– Maßnahmen gegen Altersarmut von Frauen , insbesondere für
alleinlebende Pensionistinnen mit niedrigen Einkommen.
– Eine Stärkung des gesetzlichen Pensionssystems und die Sicherung
der Kaufkraft , das allen Menschen eine sichere und würdige Pension
garantiert.
Altersarmut von Frauen ist eine politische Aufgabe
Für den Pensionistenverband Österreichs ist klar: Altersarmut ist
kein individuelles Problem, sondern häufig die Folge struktureller
Benachteiligungen. Besonders gefährdet sind Frauen, die lange
Teilzeit gearbeitet, Angehörige gepflegt oder wegen familiärer
Verpflichtungen beruflich zurückgesteckt haben. „Viele ältere Frauen
haben ein Leben lang Verantwortung übernommen – für Kinder, Familien
und unsere Gesellschaft. Sie dürfen im Alter nicht in Angst davor
leben müssen, ob sie sich Wohnen, Heizen oder den täglichen
Lebensbedarf leisten können“, sagt Gerstorfer.
Gleichstellung muss bis ins Alter gelten
Der PVÖ warnt davor, die Verantwortung für niedrige
Frauenpensionen allein den Betroffenen zu überlassen. Es brauche
politische Maßnahmen, die Frauen über das gesamte Leben hinweg
bessere Rahmenbedingungen ermöglichen. „Der Equal Pension Day
erinnert uns daran: Gleichstellung endet nicht mit dem letzten
Arbeitstag. Wer heute für faire Einkommen, bessere Vereinbarkeit von
Beruf und Familie und bessere Chancen älterer Arbeitnehmerinnen
sorgt, verhindert morgen Altersarmut. Frauen haben eine sichere und
würdige Pension verdient“, so PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer
abschließend.


