Coole G’schicht: 20 Jahre Fernkälte in Wien

Wien (OTS) – Vor 20 Jahren hat Wien Energie den Grundstein für die
Wiener
Fernkälte gelegt. Im Jahr 2006 wurde der erste Liefervertrag
geschlossen, 2007 ging in TownTown, Erdberg, die erste
Fernkältezentrale in Betrieb. Bald darauf folgten weitere
Fernkältezentralen in der Spittelau und am Schottenring, wo Wien
Energie erstmals auch den Donaukanal zur Rückkühlung genutzt hat.
Inzwischen hat das einstige Nischenthema rapide an Bedeutung
gewonnen. Mittlerweile betreibt Wien Energie 25 Kältezentralen und
versorgt über 300 Gebäude über ein immer weiter zusammenwachsendes
Netz.

So werden unter anderem das AKH, das Wiener Rathaus, die
Universität Wien, das Naturhistorische Museum, das Musicaltheater
Ronacher, das Hotel Sacher oder auch das Café Central mit Fernkälte
versorgt. Auch Wohngebäude wurden bereits an das Fernkältenetz
angeschlossen, etwa im Althan Park und im Nordbahnviertel. Mit dem
Ringschluss des 4,7 Kilometer langen Fernkälterings wurde im Jahr
2024 ein Meilenstein für die flächendeckende Versorgung der
Innenstadt erreicht. Die Bedeutung einer nachhaltigen
flächendeckenden Kühlung wird gerade in einer Großstadt und durch die
zunehmenden Hitzetage immer größer.

„An Hitzetagen, wie wir sie jetzt erleben, steigt der Fernkälte-
Bedarf um bis zu 60%. Die Stadt Wien und Wien Energie arbeiten
laufend daran die Nachfrage zu decken und auszubauen. Mit einem
Fernkältenetz von rund 33 Kilometer hat Wien rund drei Viertel des
österreichweiten Fernkältenetzes. Zusätzlich ist die Stadt mit Wiens
größtem Eiswürfel für Hitzespitzen gut gerüstet. Dieser XXL-
Eisspeicher am MedUni Campus in der Mariannengasse sichert die
Versorgung an besonders heißen Tagen“, sagt Ulli Sima, Stadträtin für
Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke.

Wien Energie baut die Fernkälte laufend aus, bis 2030 investiert
der größte regionale Energieanbieter dafür 100 Millionen Euro. Die
Kälte-Leistung soll bis dahin von 250 auf 370 Megawatt steigen.

„Ein modernes Energiesystem muss Strom, Wärme und zunehmend auch
Kälte gemeinsam denken. Die Fernkälte ist dafür ein Paradebeispiel:
Sie nutzt vorhandene Ressourcen wie Abwärme oder die natürliche
Kühlleistung des Donaukanals und macht Energie mehrfach nutzbar“ ,
sagt Peter Weinelt, Generaldirektor der Wiener Stadtwerke.
„Verantwortung zu übernehmen bedeutet für die Wiener Stadtwerke,
langfristig zu denken und entschlossen in die Lebensqualität der
Menschen heute und künftiger Generationen zu investieren.“

Zwtl.: Kühlung wird immer wichtiger

Mit den immer extremeren Wetterbedingungen steigt die
Hitzebelastung, insbesondere in den dicht verbauten Gebieten der
Stadt. Im bisherigen Rekordsommer 2024 gab es in der Wiener
Innenstadt mehr als 50 Tropennächte. Auch der Sommer 2025 war einer
der zehn heißesten der Messgeschichte. Ende Juni des laufenden Jahres
wurde in Wien erstmals eine Temperatur von 40 Grad gemessen und auch
in der aktuellen Hitzewelle steigen die Temperaturen in Höhen
jenseits der 35 Grad Celsius. Kühlung wird angesichts solcher
Umstände zunehmend nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch
der Gesundheit. Dementsprechend steigt der Kühlbedarf. Erreicht die
Temperatur während Hitzewellen 35 Grad, steigt der Fernkälte-Bedarf
im Vergleich zu einem Sommertag mit 25 Grad um 60 Prozent. Laut der
europäischen Statistikbehörde Eurostat hat sich die von den EU-
Haushalten zum Kühlen eingesetzte Energie von 2018 bis 2024
verdoppelt.

„Mit der Fernkälte zeigen wir, wie aus einer innovativen Idee ein
wichtiges Stück Infrastruktur für eine wachsende Stadt werden kann.
Gerade während Hitzewellen wie der aktuellen ist eine effiziente und
klimafreundliche Kälteversorgung von besonderer Bedeutung. Egal ob
Kliniken, Museen, Bürogebäude oder Kinos: Die Wiener*innen
profitieren mittlerweile in über 300 Gebäuden von der Fernkälte und
wir sind noch lange nicht am Ziel“ , sagt Sascha Zabransky,
Geschäftsführer von Wien Energie. „Mit jeder neuen Kältezentrale wird
unsere Fernkälte stärker und mit jeder neuen Leitung wächst unser
Netz ein Stück weiter.“

Zwtl.: Fernkälte von Wien Energie

Fernkälte wird in Form von kaltem Wasser in sogenannten
Kältezentralen produziert und über ein unterirdisches Leitungsnetz zu
den Kund*innen transportiert. Dort nimmt es die überflüssige Wärme
aus den Gebäuden auf und transportiert sie zurück zu den
Kältezentralen, wo es erneut abgekühlt wird. Dieses System hat
gegenüber konventionellen Klimaanlagen mehrere Vorteile. Da die
Abwärme nicht an die direkte Umgebungsluft abgegeben wird, heizen mit
Fernkälte versorgte Gebäude die umliegende Stadt nicht weiter auf.
Mit den Rückkühlern entfällt zudem ein gewisser Geräuschpegel,
Dachflächen können anders genutzt werden und es gibt auch keine
Konflikte mit dem Denkmalschutz.

Zur Gewinnung von Fernkälte setzt Wien Energie Ökostrom und
Abwärme ein. Diese steht in Wien durch die Müllverbrennung auch im
Sommer zur Verfügung, wenn weniger Leistung für die Fernwärme
gebraucht wird. Wo das möglich ist, nutzt Wien Energie auch den
Donaukanal für die Fernkälte. Über Wärmetauscher gibt das Fernkälte-
Wasser die Wärmeenergie an das Wasser des Donaukanals ab. Im Winter,
wenn die Wassertemperaturen im einstelligen Bereich sind und der
Kältebedarf niedrig ist, reicht diese natürliche (Rück-)Kühlung
phasenweise sogar aus.

Im Sommer 2025 hat Wien Energie in der neuen Fernkältezentrale
MedUni Campus erstmals einen sogenannten Eisspeicher in Betrieb
genommen. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um einen
isolierten Container voll Wasser. Über mit Kühlmittel gefüllte
Schläuche wird dieses Wasser zum mutmaßlich größten Eiswürfel der
Stadt gefroren. Die so gespeicherte Kälte kann genutzt werden, um
Verbrauchsspitzen zu den Mittagsstunden abzudecken und so einen
effizienteren Betrieb der Kältemaschinen ermöglichen.

Zwtl.: Eckdaten Fernkälte Wien

Netzlänge Wiener-Fernkälte: 33 Kilometer

Versorgte Gebäude: Etwa 300

Kältezentralen: 8 mit Netzanschluss, 17 lokale ohne Netzanschluss

Wiener Fernkälte-Leistung 2026: 250 Megawatt

Wiener Fernkälte-Leistung 2030: 370 Megawatt

Bild- und Videomaterial: https://wienenergie.at/media-46