Wien (OTS) – Waffen sind mehr als Instrumente der Gewalt. Sie
entscheiden darüber,
wer Macht ausüben, sich schützen oder Widerstand leisten kann. Die
Ausstellung „Blutregen. Fotografie und Waffenhandel“ im Weltmuseum
Wien erzählt ab 29. September eine weitgehend verborgene Geschichte
des Kolonialismus: die Geschichte des globalen Handels mit Waffen –
und fragt zugleich, welche Spuren davon in europäischen
Museumssammlungen sichtbar sind und welche nicht.
Ausgangspunkt ist ein überraschender Widerspruch. Historische
Fotografien um 1900 zeigen Menschen in Afrika und anderen Teilen der
Welt mit modernen Feuerwaffen. In ethnografischen Sammlungen finden
sich dagegen vielfach Bögen, Pfeile und zeremonielle Waffen. Warum
zeigen Fotografien eine andere Wirklichkeit als die Museen? Und
welches Bild der Welt entstand dadurch in Europa?
Zwtl.: Rimbaud: Dichter, Fotograf – und Waffenhändler
Eine der überraschendsten Geschichten der Ausstellung führt zu
Arthur Rimbaud. Der französische Dichter wurde nach dem Ende seiner
literarischen Karriere selbst zum Waffenhändler: Zwischen 1885 und
1888 verkaufte er mehr als 2.000 Remington-Gewehre und 500 Kilogramm
Munition an König Menelik von Äthiopien. Seine Fotografien machen
sichtbar, wie eng Fotografie, Handel und koloniale Machtpolitik
miteinander verbunden waren.
Europäische Mächte lieferten Waffen und versuchten zugleich,
deren Besitz zu kontrollieren. Die Brüsseler Generalakte von 1890
beschränkte den Handel mit modernen Waffen in weiten Teilen Afrikas.
Menschen widersetzten sich solchen Verboten: Waffen wurden
geschmuggelt, nachgebaut und selbst hergestellt. Der Waffenhandel war
damit nicht nur ein Geschäft, sondern ein Instrument politischer
Herrschaft – und der Widerstand dagegen Teil der Geschichte
kolonialisierter Gesellschaften.
Zwtl.: Vom Kris bis zur kugelsicheren Weste
„Blutregen“ erzählt aber auch davon, wie Menschen versuchen, sich
vor Gewalt zu schützen. Ein indonesischer Kris, eine sudanesische
Lederkette und ein christlicher Rosenkranz treffen auf eine
kugelsichere Weste: spiritueller Schutz auf modernen Körperschutz.
Dabei zeigt sich auch, wie Museen die Bedeutung von Dingen verändern
können. So wurde ein Kris in kolonialzeitlicher Dokumentation als
wissenschaftlich klassifizierbare Waffe erfasst – seine spirituelle
Bedeutung blieb unsichtbar.
Auch die eigene Sammlungsgeschichte nimmt das Weltmuseum Wien
kritisch in den Blick. Der bedeutende Sammler und Museumsförderer
Harald Leo Diamond war zugleich Leiter einer Waffenfabrik in Tirol;
Baron Joachim von Brenner-Felsach erwarb Waffen auf einem
Schwarzmarkt in Indien. Solche Biografien machen sichtbar, wie eng
Sammeln, Handel, Politik und koloniale Machtverhältnisse miteinander
verflochten sein konnten.
Zwtl.: Von kolonialer Gewalt bis zur Gegenwart
Historische Fotografien und Objekte treten in der Ausstellung in
Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Arbeiten unter anderem von Sama
Alshaibi, Baptist Coelho, Jakkai Siributr (Flowers Gallery Hong Kong)
, Jittagarn Kaewtinkoy, Elene Kajaia, Peter Kennard, Minouk Lim,
Cristina Lucas (Albarrán Bourdais Gallery), Michael MacGarry, Mr.
J.M. Gerber, MAK – Museum für angewandte Kunst und Abdullah M. I.
Syed (Gallery Sally Dan-Cuthbert, Sydney, Australia) führen die
Geschichte von Waffen, Krieg und Kontrolle bis in die Gegenwart. Sie
erzählen von Verletzung und Erinnerung, aber auch von Widerstand und
Solidarität.
Zwtl.: PRESSEKONFERENZ
Medienvertreter*innen sind herzlich zur Pressekonferenz
eingeladen:
TERMIN/ORT: Montag, 28. September 2026 um 10 Uhr
Weltmuseum Wien, Heldenplatz, 1010 Wien
MIT: Claudia Banz, Direktorin Weltmuseum Wien; Hanin Hannouch,
Kuratorin Sammlung analoge und digitale Medien: Film, Ton,
Fotografien
Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bis 25. September 2026 unter
[email protected] . Bitte beachten Sie, dass eine Teilnahme
nur mit bestätigter Akkreditierung möglich ist.
Blutregen. Fotografie und Waffenhandel
29. September 2026 bis 18. April 2027
Weltmuseum Wien
Pressekonferenz: Blutregen. Fotografie und Waffenhandel
Datum: 28.9.2026, um 10:00 Uhr
Ort: Weltmuseum Wien
Heldenplatz, Neu Hofburg, 1010 Wien