Wien (OTS) – Die Europäische Lärche (Larix decidua) wurde in
Österreich zum Baum
des Jahres 2026 gewählt. Wie kaum eine andere Baumart steht sie für
die alpine Kulturlandschaft und die Wälder des Hochgebirges – und
gewinnt im Zuge des Klimawandels als Schutzwaldbaum zunehmend an
Bedeutung.
Die Europäische Lärche ist ein Überlebenskünstler mit Geschichte.
Sie hat die letzte Eiszeit in mehreren Rückzugsgebieten überstanden
und sich anschließend über die Alpen und Karpaten wieder
ausgebreitet. Heute prägt sie vor allem den inneralpinen Raum – von
den französischen Alpen über Tirol bis in den Lungau. „ Die heutigen
Lärchenbestände erzählen eine spannende Wanderungsgeschichte“,
erklärt Hubert Hasenauer, Leiter des Instituts für Waldbau an der
BOKU University . „Je nachdem, aus welchem Gebiet sie ursprünglich
stammen, sind manche eher astig, andere gerade und feinastig – ein
Ergebnis natürlicher Selektion im Gebirge.“
Zwtl.: Perfekt angepasst an Extreme
Die Lärche ist ein ausgesprochener Sonnenliebhaber und wächst
besonders gut auf freien Flächen, steilen Hängen und kargen Böden.
Sie kommt mit großen Temperaturunterschieden zurecht – von minus
einem bis plus 14 Grad im Jahresmittel – und trotzt Frost, Schnee und
Sturm. Ihr tiefreichendes Wurzelsystem sorgt für hohe
Standfestigkeit, weshalb sie gemeinsam mit der Zirbe oft die
Waldgrenze in den Alpen bildet. Mit rund 4,5 Prozent Anteil an der
heimischen Waldfläche zählt sie neben Fichte, Kiefer und Tanne zu den
vier wichtigsten Nadelbaumarten Österreichs.
Zwtl.: Ein Nadelbaum mit Laubbaum-Strategie
Eine Besonderheit der Lärche ist ihr sommergrünes Verhalten: Als
einziger heimischer Nadelbaum wirft sie im Herbst ihre Nadeln ab.
Gerade in großen Höhen wäre es eigentlich ein Vorteil, die Nadeln
über den Winter zu behalten, um im kurzen Sommer schneller wachsen zu
können. Warum die Lärche selbst im Hochgebirge auf diesen scheinbaren
Nachteil setzt, ist bis heute nicht vollständig geklärt. „Gerade das
macht sie aus wissenschaftlicher Sicht besonders spannend“, so
Hasenauer.
Zwtl.: Lärchenwiesen – gelebte Kulturlandschaft
Auch kulturell hat die Lärche die Alpen geprägt: Während andere
Baumarten gerodet wurden, ließ man sie stehen: Ihr Holz war wertvoll,
ihre Nadeln zersetzen sich rasch und beeinträchtigen die Weiden
nicht, und sie boten Schutz für Mensch und Tier. So entstanden die
charakteristischen Lärchenwiesen, die bis heute das Landschaftsbild
vieler Almen prägen.
Zwtl.: Robust, aber nicht unverwundbar
Trotz ihrer Widerstandskraft ist die Lärche nicht frei von
Risiken. Krankheiten wie der Lärchenkrebs oder Insekten wie der Graue
Lärchenwickler können Vitalität und Holzqualität beeinträchtigen.
„Entscheidend sind daher standortgerechte Bewirtschaftung und die
Wahl genetisch geeigneter Herkünfte“, betont der Waldbauprofessor.
Zwtl.: Holz von außergewöhnlicher Qualität
Das Holz der Lärche ist seit Jahrhunderten geschätzt. Sein
rötlicher Kern macht es nicht nur optisch attraktiv, sondern auch
besonders widerstandsfähig gegen Pilze und Schädlinge. Deshalb ist es
vielseitig einsetzbar – vom Außenbereich über Hausbau und Schindeln
bis zu Möbeln und Innenausbau. Seine Qualität hängt jedoch
wesentlich, wie oben erwähnt, von der genetischen Herkunft der Bäume
ab.
Zwtl.: Ein Baum mit Zukunft
„Im Klimawandel brauchen wir Baumarten, die mit Extremen umgehen
können. Die Lärche ist dafür ein hervorragendes Beispiel, sie
verbindet ökologische Stabilität mit hoher wirtschaftlicher und
landschaftlicher Bedeutung “, resümiert Hubert Hasenauer. Mit der
Wahl zum Baum des Jahres 2026 rückt sie ins Rampenlicht – als Symbol
für alpine Natur, nachhaltige Forstwirtschaft und die Zukunft der
österreichischen Wälder.
Informationen zu über 30 aktuellen BOKU-Waldforschungsprojekten
aus der 360°-Perspektive finden Sie auf der Website „Waldforschung
zwischen Baum, Boden & Bytes“:
https://short.boku.ac.at/360perspektiven .

