Ossiach (OTS) – In Österreich werden noch immer rund 500.000
Ölheizungen, 900.000
Gasheizungen, 15 Gaskraftwerke, 5 Mio. Pkw und 2 Mio. andere
Nutzfahrzeuge betrieben, die durch erneuerbare Energien ersetzt
werden müssen. „Dafür braucht es einen gesetzlichen Rahmen mit
klaren, stufenweisen Ausstiegsplänen. In dieser Legislaturperiode
gilt es, die Kesseltausch-Förderungen von fossil auf Erneuerbare aber
auch von Altanlagen gegen neue zu erhalten und weiterzuentwickeln. Im
Ökostromregime müssen die Vergütungshöhen vor allem für die
Forcierung der Winterstromproduktion angepasst und erhöht werden.
Hier greifen Strom- und Wärmewende ineinander etwa ein Viertel der
Fernwärme wird aus Biomasse-Abwärme aus KWK-Anlagen erzeugt“,
erklärte Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen
Biomasse-Verbandes (ÖBMV), anlässlich des Heizwerke-Betreibertages in
Ossiach die Branchenforderungen, und fuhr fort: „Die Pellets-
Bevorratung, die Stärkung des internationalen Handels sowie die
Erhöhung der überregionalen Lager- und Transportkapazitäten sind
weitere wesentliche Punkte. Im Bereich der Brennstoff- und
Energieproduktion braucht es einen massiven Bürokratieabbau.
Zertifizierungs- und Fördersysteme sowie Nachweispflichten sind zu
vereinfachen und von Doppelgleisigkeiten zu befreien. Ferner muss der
Waldfonds zur aktiven Klimawandelanpassung unserer Wälder gestärkt
werden. In Summe können wir aber trotzdem getrost positiv in die
Zukunft blicken. Laut Nationalem Energie- und Klimaplan soll die
Bioenergie Öl und Gas alsbald überholen. Dies bestätigen auch die
Pläne der Internationalen Energieagentur und des IPCC. Dass die
Umsetzung tatsächlich möglich ist, zeigt die kürzlich präsentierte
Biomassestrategie der Österreichischen Energieagentur. Wir haben
ausreichend Biomasse, um die Energiewende kostengünstig, nachhaltig
und damit mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung umzusetzen.“
Zwtl.: Rückblick auf vergangene Legislaturperiode
Es konnten einige Rekordwerte erreicht werden: 250 PJ Bioenergie (55%
des Potenzials), 5,4 Mrd. Euro Umsatz, 30.000 Arbeitsplätze und THG-
Einsparungen in Höhe von 13 Mio. t CO2. Im Wärmebereich heizt etwa
die Hälfte der österreichischen Haushalte direkt (Scheitholz,
Pellets, Hackgut) oder indirekt (Fernwärme) mit Holz. Die Biomasse-
Nahwärmeanlagen wurden auf etwa 2.500 Anlagen ausgebaut. 170 KWK-
Anlagen liefern neben Strom etwa ein Viertel der Fernwärme.
Zusätzlich sind 270 Biogasanlagen im Betrieb. 20
Biotreibstoffproduzenten erzeugen flüssige Treibstoffe und mehr als
50 Pelletsproduzenten mehr Pellets als in Österreich benötigt werden.
Die Wärmewende war mit dem Kesseltauschförderprogramm sehr gut
aufgestellt. 2022 wurde eine Rekordzahl von 31.000 neu installierten
Holzheizungen erreicht. Nach einem Einbruch der Kesselverkäufe 2023 (
durch unklare Fördersituation und Pellet-Preis-Schwankungen in der
Energiekrise) wurde 2024 wieder ein Rekordjahr erzielt. Es wurde ein
Enddatum für das Heizen mit Erdöl und Erdgas festgesetzt (2035/2040)
sowie Erdöl- und Erdgasheizungen im Neubau verboten.
Noch vor dem EAG konnten die Stromerzeugungs-Anlagen auf Basis
von Biogas und fester Biomasse, die aufgrund mangelnder gesetzlicher
Regelungen vor dem Aus standen, zwischenzeitlich weitgehend
abgesichert werden und dann in das EAG übernommen werden. Im EAG
wurde ein eigenes Kontingent für kleine Biomasse KWK- und
Investitionsförderungen geschaffen sowie ein eigenes Ausbauziel für
Groß- und Kleinanlagen verankert und von Tarif-Förderung auf
Marktprämie umgestellt. Viele Anlagen konnten während der
Energiekriese erstmals am freien Markt ohne Förderungen betrieben
werden. Aktuell sind die erzielbaren Marktpreise zu gering, und die
Marktprämienhöhen haben die Inflation und Brennstoffkostenentwicklung
nicht ausreichend berücksichtigt, zudem fehlt das Erneuerbare-Gase-
Gesetz (EGG), das die bestehenden Biogasanlagen absichert und ihnen
die Transformation in Richtung Einspeisung ermöglicht.
Im Biotreibstoffbereich wurde die Beimischung von Ethanol von 5
auf 10% erhöht, eine umfangreiche SAF-Roadmap (Sustainable Aviation
Roadmap) erstellt, zusätzlich gab es einen Forschungsschwerpunkt für
fortschrittliche Biotreibstoffe im Österreichischen Waldfonds. Sehr
positiv zu bewerten ist die CMS-Strategie (Carbon Management
Strategie) der Bundesregierung.
Zwtl.: Erstmals Internationaler Heizwerkebetreibertag
Der Österreichische Biomasse-Verband wird sich in den nächsten Jahren
im Rahmen einer Internationalisierungsoffensive um den
internationalen und regionalen Austausch bemühen.
Ziel ist es, Bioenergieregionen europaweit und weltweit
miteinander zu vernetzen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig
zu unterstützen – vor allem, wenn es um gesetzliche Regelungen auf
nationaler und europäischer Ebene geht.
„Vielerorts stehen wir vor denselben Herausforderungen, was die
öffentliche Wahrnehmung der Bioenergie betrifft: Die Kampagnen US-
Stiftungsfinanzierter NGOs gegen die Bioenergie zeigen Wirkung. Hinzu
kommen massiv steigende Bürokratie und stark angespannte öffentliche
Haushalte. Wir haben aber auch ähnliche Lösungsansätze: die regionale
Nutzung der Ressourcen zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, leistbare
und nachhaltige Energie sowie vor allem eine Fülle an Unterstützern,
die wissen, wie es geht“, sagte Titschenbacher.
Ein erster Schritt in diese Richtung ist der heuer erstmals
stattfindende Internationale Heizwerkebetreibertag in Ossiach, mit
dem sich die Branche jährlich im deutschsprachigen Raum vernetzen
will.
Zwtl.: 30 Jahre Österreichischer Biomasse-Verband
1968 wurde die Österreichische Gesellschaft für Land- und
Forstwirtschaftspolitik gegründet. Erster Präsident war der damalige
Landwirtschaftsminister Karl Schleinzer. Aus diesem entstand 1995 der
Österreichische Biomasse-Verband (ÖBMV) unter der Geschäftsführung
von Prof. Ernst Scheiber und mit Dr. Heinz Kopetz als Präsident. Das
ÖSFO hatte mit Prof. Scheiber zuvor bereits drei Biomassetage
veranstaltet und somit fand der 4. Österreichische Biomassetag 1995
erstmals unter Mitwirkung des neugegründeten ÖBMV in Kautzen NÖ
statt. Der Anstoß zur Gründung kam aus Frankreich. „Ich wurde von den
Landwirtschaftskammern in eine internationale Arbeitsgruppe „Energie
und Landwirtschaft“ entsendet. Dort lernte ich Vertreter aus
Frankreich kennen, die gerade den europäischen Biomasseverband
aufbauten. Österreich wurde gebeten, diesem Verband beizutreten,
wodurch nach einigen Diskussionen der ÖBMV gegründet wurde“, erinnert
sich Kopetz. Angesichts des Voranschreitens des Klimawandels und der
Programme zum gänzlichen Ausstieg aus Öl und Gas wurde die Bedeutung
der Bioenergie immer wichtiger. Seitdem wurden zahlreiche
Publikationen und Veranstaltungen ins Leben gerufen, die aus der
Bioenergiebranche nicht wegzudenken sind. Die wichtigsten
Publikationen sind: die Zeitschrift ökoenergie, die über 100 Mal in
einer hohen Auflage publiziert worden ist; Bioenergie Basisdaten;
Bioenergie-Atlas und zahlreiche weitere Folder, Broschüren und
Tagungsbänder. Der ÖBMV veranstaltete 26 Biomasse- und
Heizwerkebetreibertage und nunmehr die 8. Mitteleuropäische
Biomassekonferenz in Graz. Auch Zahlreiche Kampagnen wurden
erfolgreich umgesetzt: „Stolz auf Holz“; „Gute Wärme wächst nach“;
„Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf!“; „G´Scheitholz!“.
Erste Bilder von der Veranstaltung erhalten Sie HIER

