Wien (OTS) – Das Wien Museum hat einen Teil des Nachlasses der
international
renommierten Fotografin Christine de Grancy (1942–2025) übernommen,
die im März vergangenen Jahres verstorben ist. De Grancys Werke
zeugen von einer außergewöhnlichen künstlerischen Sensibilität, einem
unverkennbaren Stil und einem vielfältigen Oeuvre.
„Christine de Grancy hat Wien nicht nur dokumentiert, sondern neu
sichtbar gemacht. Ihr Blick auf unsere Stadt – poetisch, kritisch und
zutiefst menschlich – ist ein unschätzbarer Beitrag zum kulturellen
Gedächtnis Wiens und wird auch künftige Generationen inspirieren“,
betont Bürgermeister Michael Ludwig.
Geboren in Brünn und aufgewachsen in Graz, fand de Grancy nach
ihrem Studium der Keramik und Gebrauchsgrafik sowie einer Karriere
als Grafikerin und Art Director in den 1960er-Jahren zur Fotografie.
Ein wesentlicher Teil ihres Werkes entstand auf Reisen. Sie
bereiste Tunesien, Pakistan, Tibet, Niger, die Westsahara sowie des
Öfteren Russland, um mit ihrer Kamera die Lebensbedingungen der
Menschen vor Ort zu dokumentieren. Mit großem Einfühlungsvermögen
schuf sie eindrucksvolle visuelle Erzählungen aus den
unterschiedlichsten Regionen der Welt.
Besonders prägend aber ist ihr unverwechselbarer Blick auf Wien.
Über viele Jahre hinweg entstand ein herausragendes fotografisches
Werk über ihre Heimatstadt. Charakteristisch ist dabei ihr
ungewöhnlicher Blickwinkel. So erkundete sie das „imperiale“ Wien aus
erhöhter Perspektive und richtete ab den 1980er-Jahren ihren Blick
auf das alltägliche Leben der Stadt, gesehen aus der Perspektive
steinerner Figuren, Engel und mythologischer Wesen, die die
Dachlandschaften Wiens bevölkern.
In den 1990er-Jahren porträtierte sie jüdische Migrant*innen, die
nach der Islamischen Revolution aus dem Iran geflohen waren, und
dokumentierte 1994 den Besuch von David Bowie und Brian Eno in der
Nervenheilanstalt Gugging. Konzentriert analysieren und betrachten
die beiden die spannenden Werke und das interessante Umfeld der
Künstler*innen von Gugging. De Grancy schafft es immer wieder in
ihren fotografischen Porträts von Künstler*innen und
Kulturschaffenden deren Lebenswelten in Gesten und Gesichtern
einfühlsam und pointiert abzubilden.
Christine de Grancys Nachlass im Wien Museum umfasst circa 5.000
Vintageprints und Negative – in erster Linie über Wien – sowie
zahlreiche Porträts. Ihre Reisedokumentationen übernahm das
Weltmuseum, ihre Theaterfotos das Theatermuseum.

