Deloitte Studie: Jede zweite Frau erlebt im Job Benachteiligung

Wien (OTS) – Das Thema Gleichstellung wird in Österreichs Unternehmen
mehr und
mehr zur Randnotiz. Wie eine aktuelle Umfrage von Deloitte Österreich
zeigt, sind nicht nur Rückschritte bei den Karrierechancen für Frauen
spürbar, auch die gläserne Decke in den Führungsetagen hält sich
hartnäckig. Angesichts aktueller wirtschaftlicher und politischer
Entwicklungen mag das nicht überraschen, doch Fakt ist:
Gleichstellung ist nicht nur ein gesellschaftlicher Auftrag, sondern
Voraussetzung für zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg.

Das Beratungsunternehmen Deloitte erhebt jährlich zum Weltfrauentag
die Parameter von Geschlechtergleichstellung in der österreichischen
Wirtschaft. Für die diesjährige Ausgabe wurden rund 600
Unternehmensvertreterinnen und -vertreter befragt. Das Ergebnis: Auch
wenn sich in den vergangenen Jahren Fortschritte beobachten ließen,
verliert das Thema in den österreichischen Unternehmen aktuell an
Bedeutung.

„Wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und
politische Umbrüche verschieben die Prioritäten in den
österreichischen Unternehmen. Knapp ein Fünftel ist aktuell mit
anderen Themen beschäftigt, ein Viertel verfolgt zudem weder
Gleichstellungsziele noch eine Gesamtstrategie. Das ist
besorgniserregend, denn der wirtschaftliche Mehrwert von
Gleichstellung ist evident“, hält Elisa Aichinger, Partnerin bei
Deloitte Österreich, fest. „Gerade in unsicheren Zeiten lohnt es sich
für Unternehmen, jeden Wettbewerbsvorteil zu nutzen, um ihre
langfristige wirtschaftlichen Beständigkeit abzusichern.“

Benachteiligung von Frauen im Job ist allgegenwärtig

Spürbar wird die aktuelle Zurückhaltung vor allem bei den
Karrierechancen. Die Fortschritte der vergangenen Jahre gingen
teilweise wieder verloren. Aktuell gehen nur 45 % der Befragten davon
aus, dass Frauen und Männer unabhängig vom Beschäftigungsausmaß über
gleiche Aufstiegschancen verfügen. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr
waren es immerhin noch 50 %. Gleichzeitig ist ein Drittel (33 %) der
Ansicht, dass gleiche Chancen für berufliches Weiterkommen für Frauen
weiterhin an eine Vollzeitbeschäftigung geknüpft sind.

„Viele Fortschritte der letzten Jahre in Sachen Gleichstellung kehren
sich wieder um – das ist problematisch. Zudem gibt jede zweite Frau (
49 %) an, mindestens einmal aufgrund ihres Geschlechts im Berufsleben
Benachteiligung erlebt zu haben. Das zeigt, wie sich ein
strukturelles Ungleichgewicht in der Praxis auswirkt“, betont Elisa
Aichinger. „Es gilt hier dringend Rahmenbedingungen zu schaffen, die
insbesondere unbewusste Vorurteile frühzeitig beseitigen und
berufliche Weiterentwicklung trotz privater Verpflichtungen in allen
Lebensphasen ermöglichen.“

Frauen in oberen Führungspositionen bleiben die Ausnahme

Nicht nur die Karrierechancen für Frauen insgesamt sind
ernüchternd, auch die gläserne Decke hält sich hartnäckig. Zwar ist
im Jahresvergleich ein leichter Anstieg von Frauen in
Führungspositionen zu verzeichnen – eine nachhaltige Entwicklung ist
aber nicht erkennbar. Entsprechend zeichnet sich auch für die Zukunft
kaum Bewegung ab: Fast die Hälfte der Unternehmen (46 %) plant keine
Erhöhung des Frauenanteils im Top-Management. Die Gründe dafür sind
vielfältig und reichen laut den Befragten von der Zurückhaltung von
Frauen, Führungspositionen anzustreben, über vorherrschende
traditionelle Rollenbilder bis hin zu fehlenden
Kinderbetreuungsangeboten.

„Die meisten Unternehmen sehen generell das Fehlen ausreichend
qualifizierter Kandidatinnen als wesentliche Ursache. Wenn man
bedenkt, dass seit Jahren mehr Frauen als Männer hierzulande
Universitäten abschließen, ist das objektiv nicht nachvollziehbar“,
betont Elisabeth Hornberger, Diversity-Expertin bei Deloitte
Österreich. „Vielmehr zeigen sich auch hier strukturelle Barrieren,
insbesondere in der Rekrutierung und Karriereentwicklung von Frauen.
Karrieresprünge für Frauen sollten im Jahr 2026 nicht mehr an den
Rahmenbedingungen scheiten. Der Fokus sollte auf Qualifikation und
Potenzial gelegt werden.“

Zum Download:

Deloitte Studie zum Weltfrauentag 2026

Foto Elisa Aichinger Credits Deloitte/feelimage

Foto Elisabeth Hornberger Credits Deloitte/feelimage

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