Frauen in der Medizin: Gleichstellung und Respekt geht alle an

Wien (OTS) – Bei ihrem bereits vierten „Future Talk“ rückte die
Kammer für
Ärztinnen und Ärzte in Wien einmal mehr ein hochbrisantes und
gesellschaftlich bedeutendes Thema in den Mittelpunkt: die Stellung
der Frau. Obwohl die Hälfte der Ärzteschaft weiblich ist, werden nur
30 Prozent der Professuren in Österreich von Frauen besetzt, bei den
Primariaten liegt der Anteil sogar nur bei 18 Prozent. Johannes
Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien sagte
gleich vorweg: „Das Thema der Frauen in der Medizin ist ein wichtiges
und großes Thema. Trotz allem, was wir schon erreicht haben, sehe ich
noch viel Handlungsbedarf.“

In der von Köksal Baltaci („Die Presse“) moderierten
Podiumsdiskussion berichtete Naghme Kamaleyan-Schmied,
Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte der Kammer
für Ärztinnen und Ärzte in Wien, von ihren Erfahrungen in der
Niederlassung: „Als ich meine Ordination gegründet habe, war mein
jüngster Sohn ein Jahr alt. Ich konnte das nur machen, weil ich ein
starkes Netzwerk hatte. Sowohl mein Mann als auch die Großeltern
haben sich gemeinsam mit mir um die Kinder gekümmert.“
Vormittagsordinationen wären eine einfache Möglichkeit, um die
Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern und rasch
Ärztinnen ins Kassensystem zu bringen. Kamaleyan-Schmied verweist
außerdem auf die Notwendigkeit Frauen sichtbar zu machen: „Das
beginnt bei der Sprache – denn Sprache schafft Realität. Deshalb ist
es wichtig, dass wir die Kammer in „Kammer für Ärztinnen und Ärzte in
Wien“ umbenannt haben.“

Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Obmann der Kurie
angestellte Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, ist
überzeugt, dass Männer Teil des Kulturwandels sein müssen und auch
den Mut aufbringen müssen einzugreifen, wenn sie Diskriminierung oder
Herabwürdigungen beobachten. „Ich glaube, dass eine verbindliche
Gleichstellung wichtig ist. Aber solche Maßnahmen dürfen nicht nur am
Papier stehen, deren Einhaltung muss auch überprüft werden.“

Auch Kommunikationsexpertin und Autorin Birgit Kofler bestätigt:
„Die wirklich großen Veränderungen sind nach gesetzlichen
Veränderungen passiert. Also immer dann, wenn etwas auch
festgeschrieben wurde.“

In der Diskussion erinnerte sich Elisabeth Förster-Waldl,
Professorin an der Medizinischen Universität Wien, an ihre Zeit als
Assistenzärztin: „Frauen, die es in eine Leitungsposition geschafft
haben, waren fast immer Einzelkämpferinnen.“ Das Referat für
Frauenpolitik, Gender und Diversity in der Kammer für Ärztinnen und
Ärzte in Wien hat deshalb das Frauennetzwerk „Ärztinnen:connect“
gegründet. „Wir Frauen müssen anfangen uns gegenseitig zu pushen, so
wie es Männer seit Jahrhunderten machen“, sagt Co-Referentin Nina
Böck. Die Netzwerktreffen stoßen auf sehr großen Anklang. „Wir haben
jedes Mal 100 Anmeldungen und 50 Personen auf der Warteliste.“