Herbert Reitsamer zum neuen Präsidenten der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) gewählt

Wien (OTS) – Im Rahmen der Vollversammlung der Österreichischen
Ophthalmologischen
Gesellschaft (ÖOG) am 15. Mai 2026 wurde Prim. Univ.-Prof. Dr.
Herbert A. Reitsamer einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Damit
übernimmt ein international renommierter Experte die Führung der
wissenschaftlichen Fachgesellschaft, die rund tausend Augenärztinnen
und Augenärzte in Österreich vertritt. Reitsamer folgt auf MR Dr.
Gabriela Seher, die auf eine erfolgreiche zweijährige Amtszeit
zurückblickt.

Zwtl.: Kontinuität und Dank an die scheidende Präsidentin

Die scheidende Präsidentin Dr. Gabriela Seher gratulierte ihrem
Nachfolger herzlich zur Wahl. Unter ihrer Führung wurden wegweisende
Projekte realisiert, allen voran die Fertigstellung des „Weißbuchs
der Augenheilkunde“, das als strategisches Fundament für die Zukunft
des Fachs gilt. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit lag in der
Stärkung des niedergelassenen Bereichs und der engen Verzahnung von
Klinik und Praxis.

Zwtl.: Erfahrener Experte an der Spitze

Prof. Herbert Reitsamer, Primar der Universitätsklinik für
Augenheilkunde und Optometrie in Salzburg, ist in der ÖOG tief
verwurzelt. In den vergangenen 15 Jahren prägte er die Gesellschaft
als Wissenschaftlicher Sekretär maßgeblich. Er verantwortete die
wissenschaftlichen Kommissionen, die Adele Rabensteiner
Wissenschaftsförderung sowie den jährlichen Kongress der ÖOG – die
wichtigste ortbildungsveranstaltung für Augenheilkunde in Österreich.

Die Position des Wissenschaftlichen Sekretärs übernimmt künftig
Prim. Prof. PD Dr. Sebastian Waldstein, Primar der Augenabteilung am
Landesklinikum Mistelbach.

Zwtl.: Strategische Ziele: Digitalisierung und Qualitätssicherung

Das österreichische Gesundheitswesen befindet sich in einem
tiefgreifenden Wandel. Präsident Reitsamer sieht die ÖOG dabei in
einer proaktiven Gestalterrolle: „Es gilt, die Potenziale von
Digitalisierung und Telemedizin konsequent auszuschöpfen, um die
Versorgung unserer Patientinnen und Patienten noch effizienter und
niederschwelliger zu gestalten. Unser Ziel ist es, die
Rahmenbedingungen für die Augenheilkunde so weiterzuentwickeln, dass
technischer Fortschritt kein Selbstzweck bleibt, sondern als Brücke
dient, um fachärztliche Expertise direkt und unmittelbar zum Menschen
zu bringen“, so Reitsamer.

Ein Kernanliegen Reitsamers ist der Ausbau der Kooperation
zwischen den augenärztlichen Zentren. Geplant ist die Etablierung
bundesweiter und internationaler Register für Augenerkrankungen und
chirurgische Eingriffe. „Diese Datenbasis wird es uns ermöglichen,
die Wirksamkeit von Therapien besser einzuschätzen, epidemiologische
Trends frühzeitig zu erkennen und die Qualität der ophthalmologischen
Versorgung auf höchstem Niveau abzusichern“, so Reitsamer weiter.

Zwtl.: Die Zukunft im Blick: Nachwuchs und Versorgungssicherheit

Angesichts einer alternden Gesellschaft und einer gleichzeitig
spürbaren Pensionierungswelle steht das Fach vor großen
Herausforderungen. Im Sinne des „Weißbuchs“ setzt Reitsamer auf vier
zentrale Säulen:

1. Prävention – österreichweite Vorsorge stärken
Die ÖOG empfiehlt eine breit angelegte Informationskampagne zur
Augengesundheit, gezielte Untersuchungen bei Kindern (insbesondere
Myopie-Screenings in Kindergarten und Volksschule) sowie eine bessere
augenärztliche Betreuung älterer und hilfsbedürftiger Menschen, etwa
in Pflegeeinrichtungen.

2. Qualität – Finanzierung sichern, Zusammenarbeit ausbauen
Eine nachhaltige Versorgung braucht ausreichende Ressourcen,
evidenzbasierte Therapien und medizinisch indizierte Heilbehelfe (z.
B. Brillen, Kontaktlinsen) sowie die enge Kooperation zwischen intra-
und extramuralem Bereich . Digitalisierung (z. B. Vernetzung,
Register) soll helfen, Ressourcen effizient einzusetzen – ohne die
medizinische Versorgung von profitorientierten Interessen abhängig zu
machen.

3. Ausbildung – modern, bedarfsorientiert, international
anschlussfähig
Gefordert werden bedarfsorientierte Ausbildungsstrukturen und die
Modernisierung der Ausbildung. Zudem wird die schrittweise
Anerkennung der europäischen Fachärzt:innenprüfung ( FEBO ) als
Äquivalent zur österreichischen Facharztprüfung als wichtiger
Baustein zur Qualitätssicherung und Mobilität genannt.

4. Perspektiven – klare Strukturen und faire Arbeitsbedingungen
Um den Nachwuchs zu sichern, braucht es attraktive, planbare
Rahmenbedingungen, Ressourcen- und Lohngerechtigkeit sowie den Erhalt
des freien Berufes. Gleichzeitig fordert das Weissbuch eine klare
Aufgabenverteilung zwischen Augenärzt:innen und anderen
Berufsgruppen, um Patient:innensicherheit und Qualität zu
gewährleisten.

„Aktuell befinden sich 207 junge Kolleginnen und Kollegen in
Ausbildung. Es ist unsere Pflicht, das Fach durch moderne
Rahmenbedingungen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und
Beruf so attraktiv zu halten, dass wir die Versorgungssicherheit auch
in Zukunft garantieren können“, betont der neue Präsident.