Wien (OTS) – Lange galten Mastjahre als Garant für erfolgreiche
Baumverjüngung.
Neue Forschung der BOKU University zeigt jedoch: Erst das
Zusammenspiel vieler Jahre mit unterschiedlicher Samenproduktion
macht Wälder dauerhaft stabil.
Viele Bäume setzen nicht jedes Jahr gleich viele Samen an.
Stattdessen wechseln sich Jahre mit extrem hoher Samenproduktion –
sogenannte Mastjahre – mit Jahren geringerer oder ganz fehlender
Erträge ab. Was lange als ineffizient oder sogar als Verschwendung
galt, entpuppt sich nun als kluge Überlebensstrategie. „Unsere
Ergebnisse zeigen, dass nicht die spektakulären Mastjahre allein
entscheidend sind, sondern das Zusammenspiel vieler Jahre mit
unterschiedlich starker Samenproduktion“, betont Studienleiter Georg
Gratzer vom Institut für Waldökologie an der BOKU University .
„Zwischenjahre mit moderater Samenmenge sind kein Fehler im System –
sie erhöhen die Chancen der Bäume, sich nach Störungen erfolgreich zu
verjüngen.“
Zwtl.: Viele Samen, wenig Nachwuchs? Warum Überleben wichtiger ist
als Menge
Das Team um Georg Gratzer wertete einzigartige Langzeitdaten aus
Urwäldern in Österreich und Polen aus, die an der BOKU über mehr als
zwei Jahrzehnte aufgebaut wurden. Dabei zeigte sich: Extrem hohe
Samenmengen führen nicht automatisch zu mehr jungen Bäumen. In den
Jahren nach der Keimung gleichen sich die Bestände an – unabhängig
davon, ob zuvor ein Mastjahr oder ein Jahr mit geringerer
Samenproduktion war. Entscheidend ist vielmehr, wie viele Jungbäume
die ersten kritischen Jahre überstehen.
Zwtl.: Im Spannungsfeld von Samen und Samenfressern
Ein weiterer Fokus der Studie lag auf Samenfressern wie Mäusen
und Wühlmäusen. Deren Populationen reagieren stark auf das jährliche
Samenangebot. Nach besonders samenreichen Jahren brechen ihre
Bestände oft wieder ein – ein Effekt, der in den Folgejahren die
Überlebenschancen neuer Samen erhöhen kann. „Dieses Wechselspiel
zwischen Bäumen und Tieren beeinflusst die Waldverjüngung stärker als
bisher angenommen“, so der Waldökologe.
Aufwendige Feldexperimente zur Buche zeigen zudem, dass der
Großteil der Samen von Tieren gefressen wird und nur ein kleiner Teil
tatsächlich keimt. Eine gezielte Verbreitung der Samen durch Tiere
spielt dabei eine geringere Rolle als lange vermutet. „Erfolgreiche
Verjüngung ist kein Produkt eines einzigen guten Jahres“, so Gratzer,
„sondern das Ergebnis langfristiger Prozesse.“
Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der
Walddynamik – gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels. „Wenn wir
Wälder erhalten wollen, müssen wir ihre natürlichen Strategien
verstehen“, so Gratzer abschließend. „Unregelmäßige Samenproduktion
macht Wälder widerstandsfähiger.“
Informationen zu über 30 weiteren aktuellen BOKU-
Waldforschungsprojekten aus der 360°-Perspektive finden Sie auf der
Website „Waldforschung zwischen Baum, Boden & Bytes“:
https://short.boku.ac.at/360perspektiven .


