Wien (OTS) – Angesichts der seit langem bekannten Misere um die
unzureichende
Wasserversorgung der Lobau im Wiener Teil des Nationalparks Donauauen
kündigt die Umweltorganisation VIRUS nun die Prüfung rechtlicher
Schritte gegen die Verantwortlichen an. Sprecher Wolfgang Rehm: „Die
Republik Österreich hat hier klare unionsrechtliche Verpflichtungen
eingegangen und Wien darf diese nicht konterkarieren. Wenn nicht
schnell etwas geschieht, muss der Bund die Verantwortung übernehmen
und ein Machtwort sprechen“
Die Donauauen seien neben dem Nationalparkstatus auch als
Europaschutzgebiete nach beiden Naturschutzrichtlinien ausgewiesen.
„Daraus ergibt sich die Verpflichtung, einen günstigen
Erhaltungszustand zu gewährleisten. Während dies in Niederösterreich
mit zahlreichen Renaturierungsprojekten besser funktioniert, steht
Wien seit über 20 Jahren auf der Bremse, so Rehm“. Die aktuelle
Trockenheit sei dabei nur ein Brennglas, das jahrzehntelange
Versäumnisse stärker zum Tragen bringe. Die Sondersituation der Lobau
ergebe sich daraus, dass diese im Vergleich zum Rest des
Nationalparks hinter den dort flussnah fehlgeplanten
Hochwasserschutzdämmen liege. „Dieses Defizit muss durch eine bessere
Wasserversorgung und in Folge eine Wiederdurchströmung ausgeglichen
werden. Für die Obere Lobau gibt es ein Dotationsprojekt, der
Weiterleitung des Wassers in die ökologisch viel wertvollere Untere
Lobau stehen nur einige Dammbalken im Weg, sie ist technisch sofort
möglich, wird aber von der Wiener Stadtregierung und dem Magistrat
verhindert,“ so Rehm. Dass die Nationalparkverwaltung dort nichts zu
reden habe, sondern die MA49 selbst Nationalpark mache, habe sich als
keine gute Idee erwiesen und gehöre 30 Jahre nach
Nationalparkgründung dringend geändert. Argumentiert werde seitens
der Stadt Wien mit der Trinkwassergewinnung in der Lobau und werde
fortlaufend neu untersucht statt gehandelt. „Dabei wird einerseits
mit zweierlei Maß gemessen, bei diversen Bauprojekten ist die MA31
keineswegs so zimperlich, wie bei der Verhinderung der Wasserzufuhr
in der Lobau. Andererseits wird übersehen, dass das Grundwasserwerk
Lobau wenig genutzt wird und befürchtete Qualitätsverschlechterungen
jenes Maß nicht überschreiten können, das bei jedem größeren
Hochwasser ohnehin auftritt, jedoch nur für kurze Zeit und
reversibel“, so Rehm. Weiterer Informationsgewinn sei nie schlecht
aber anstelle lediglich eine Grundwassermodellberechnung nach der
Anderen zu erstellen wäre zeitnah ein praktischen Versuch mit
engmaschigem Monitoring auf den Weg zu bringen. „Statt die Sache zu
Tode zu untersuchen, muss dringend gehandelt werden und braucht der
Intensivpatient Untere Lobau dringend lebensrettende Sofortmaßnahmen
in Form von Wasser-Infusionen“, so Rehm abschließend.


