Wien (OTS) – Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Vizekanzler,
sehr geehrte Frau Außenministerin,
sehr geehrter Herr Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz,
sehr geehrte Damen und Herren Landeshauptleute,
Österreich steuert innerhalb von nur vier Jahren auf die nächste
schwere Energiekrise zu. Schuld ist wieder die Abhängigkeit unseres
Landes von Öl und Gas.
Die Eskalation im Nahen Osten gefährdet zentrale Energiehandelsrouten
und hat die Weltmarktpreise für Öl und Gas unmittelbar steigen
lassen. Die daraus resultierenden Krisenpreise werden auch Österreich
treffen und gefährden Wohlstand, Arbeitsplätze und Sicherheit.
Preiskrisen sind kein Ausnahmefall, sondern ein strukturelles,
dauerhaftes Risiko eines fossilen Energiesystems. Solange Kohle, Öl
und Erdgas unsere Energieversorgung dominieren, bleibt unser Land
anfällig für geopolitische Schocks. Österreichs Energieversorgung und
die heimische Bevölkerung dürfen nicht länger von Krisenregionen
abhängig sein.
Die Bundesregierung und die Bundesländer haben es in der Hand,
Österreichs Regionen – vom Bodensee bis zum Neusiedler See – aus
dieser Abhängigkeit zu befreien. Sie, hochgeschätzte Regierung und
hochgeschätzte Landeshauptleute, können die Taktgeber eines
gemeinsamen Befreiungsschlags sein.
Machen wir Österreich gemeinsam stark!
Der zügige Ausbau erneuerbarer Energien macht unser Land unabhängig
und ist konsequente Sicherheits- und Wirtschaftspolitik.
Allein in den nächsten vier Jahren könnte durch Ihre politische
Gestaltungskraft Österreich sicherer werden:
– Mit 3.500 Megawatt umsetzungsreifer Windenergie kann nahezu ein
Drittel des österreichischen Stromverbrauchs mit heimischer Windkraft
abgedeckt werden. Es handelt sich um konkrete Projekte, die bereits
auf ihre Umsetzung warten und schnellere Verfahren sowie
leistungsfähige Stromnetze benötigen.
– 1,2 Millionen Haushalte sind von Erdgas- und Erdölimporten abhängig
und den Energiepreisschocks ungeschützt ausgeliefert. Mit einer
Verdoppelung des Budgets für den Heizkesseltausch können jährlich
mehr als 60.000 Haushalte auf erneuerbare Heizsysteme (Hackgut,
Pellets, Wärmepumpen, Nahwärme) umgestellt werden.
– Mit 3 TWh kann der Hochlauf für Biomethan gestartet und bis 2040
die Einspeisung von zumindest 10 TWh erneuerbarem Gas in das
heimische Erdgasnetz erreicht werden. Dafür braucht es endlich das
Erneuerbares-Gas-Gesetz.
– Mit einer konsequenten Fortsetzung des Photovoltaik-Zubau s der
vergangenen Jahre ermöglicht weitere 8.000 MW und damit die Deckung
von rund 20 % des Stromverbrauchs. Außerdem braucht es eine wirksame
Speicheroffensive .
– Mit 500 Megawatt und damit mehr als 2,2 TWh zusätzlicher
Kleinwasserkraft , die allein durch eine Offensive zur Nutzung
bestehender Infrastruktur gewonnen werden können.
Sehr geehrte Bundesregierung, sehr geehrte Landeshauptleute,
diese Maßnahmen bedeuten reale Versorgungssicherheit aus Europa und
Österreich – mit Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Bioenergie und
Erdwärme. Jede Kilowattstunde aus heimischen erneuerbaren Quellen
stärkt unser Land: gegen Preisschocks, gegen Inflation, gegen
Energiearmut und gegen Versorgungsengpässe.
Energie darf nicht zu einem dauerhaften Unsicherheitsfaktor für
Haushalte und Unternehmen werden. Wirtschaft und Industrie sind auf
stabile und planbare Energiepreise angewiesen – gerade jetzt, wo sich
viele noch von der letzten Energiekrise erholen.
Die Bundesregierung kann und muss jetzt rasch Maßnahmen setzen, um
Österreich aus dieser strukturellen Verwundbarkeit zu befreien.
Wir bieten dem Nationalen Sicherheitsrat sowie der Bundesregierung
und den Ländern unsere fachliche Expertise und konkrete Mitwirkung an
einer nationalen Energiesicherheitsstrategie an, die auf drei
zentralen Säulen basieren muss:
1. Maximale Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien in
Strom, Gas und Wärme. Nutzen wir die Energie, die es hier in
Österreich gibt, nämlich Sonne, Wind, Wasser, Bioenergie und
Erdwärme.
2. Klare Reduktionspfade für Importe von Öl und Gas.
3. Schaffung eines vertrauenswürdigen, stabilen und
investitionsfreundlichen Rahmens für Unternehmen sowie Bürgerinnen
und Bürger.
Dieser neue Krieg im Nahen Osten zeigt, dass Österreich
verwundbar ist: Vom Zillertal über das Lavanttal bis in die
Pannonische Ebene, von Bregenz bis Eisenstadt – der Ausbau rot-weiß-
roter Energien ist jetzt das Gebot der Stunde! In einem gemeinsamen
Befreiungsschlag – Bundesregierung, Landeshauptleute, unsere
tausenden engagierten Bürgermeister:innen Hand in Hand mit
Österreichs Wirtschaft – können wir Österreich aus dieser
Abhängigkeit befreien. Jede Verzögerung verlängert die Abhängigkeit
von Erdgas und Erdöl aus Krisenregionen – und damit von Autokraten
und Diktatoren.
Die erneuerbare Energiewirtschaft steht bereit. Machen wir jetzt
Österreich gemeinsam stark!
Mit freundlichen Grüßen,
der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich mit seinen
Mitgliedsverbänden:
Martina Prechtl-Grundnig
Erneuerbare Energie Österreich
Roger Hackstock
Austria Solar
Karl Weidlinger
Geothermie Österreich
Hans-Christian Kirchmeier
IG Holzkraft
Florian Maringer
IG Windkraft
Paul Ablinger
Kleinwasserkraft Österreich
Bernhard Stürmer
Kompost und Biogas Verband
Christoph Pfemeter
Österreichischer Biomasseverband
Vera Immitzer
Photovoltaic Austria
Doris Stiksl
proPellets Austria

