Wien (OTS) – Österreichs Entwurf für den Wiederherstellungsplan weist
zentrale
fachliche Lücken auf: Artikel 4 zur Wiederherstellung von
Lebensräumen und Arten fehlt überraschend weitgehend. BirdLife
Österreich, Naturschutzbund Österreich und Umweltdachverband fordern
die bereits eingebrachte fachliche Expertise im Plan abzubilden und
den weiteren Erarbeitungsprozess transparent zu gestalten.
Am 1. September hat Österreich seinen ersten Entwurf des
Nationalen Wiederherstellungsplans an die Europäische Kommission
übermittelt. „Der Entwurf enthält zwar wichtige Ansätze und
Maßnahmen, weist aber gerade bei zentralen Verpflichtungen der EU-
Wiederherstellungsverordnung noch erhebliche Lücken auf. Gemeinsam
fordern wir Bund und Länder auf, die fehlenden Inhalte zeitnah zu
ergänzen und die Ergebnisse des bisherigen Beteiligungsprozesses in
der weiteren Ausarbeitung konsequent zu berücksichtigen”, sagt
Christof Kuhn, Koordinator für Naturschutzpolitik bei BirdLife
Österreich . Dieser Sommer mit Rekordtemperaturen und extremer
Trockenheit, aber auch die Überschwemmungen 2024 machen deutlich, wie
wichtig widerstandsfähige Ökosysteme, intakte Böden und Auen, mehr
Grün in Städten und vielfältige Landschaften sind. „Umso
unverständlicher ist, dass der nun vorgelegte Wiederherstellungsplan
gerade bei zentralen Naturschutzaufgaben so große Lücken aufweist.
Wer diesen Nutzen für Natur und Gesellschaft ausblendet, vergibt eine
zentrale Chance, Österreich widerstandsfähiger gegen die Folgen des
Klimawandels zu machen. Gerade jetzt braucht es einen ambitionierten
Wiederherstellungsplan statt weiterer Verzögerungen und Leerstellen“,
so Kuhn weiter.
Zwtl.: Fachliche Expertise muss sich im Ergebnis widerspiegeln
„Fast zwei Jahre haben Expert:innen von Bund, Ländern,
Wissenschaft, Eigentümer- und weiteren Interessenvertretungen sowie
Naturschutzorganisationen in zahlreichen Arbeitsgruppen konstruktiv
gearbeitet und dabei über weite Strecken Konsens erzielt. Wesentliche
Ergebnisse dieser Arbeit wurden im nun übermittelten Entwurf nur
unvollständig berücksichtigt, ohne die Arbeitsgruppen darüber zu
informieren. Diese Vorgangsweise ist besonders enttäuschend”, meint
Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes .
Zwtl.: Finanzierung ist gemeinsame Verantwortung
„Die Wiederherstellung unserer Natur ist keine verzichtbare
Zusatzaufgabe, sondern eine Investition in unsere Lebensgrundlagen.
Bund, Länder und EU müssen dafür gemeinsam Verantwortung übernehmen
und die notwendigen Mittel langfristig absichern – gerade in Zeiten
knapper Budgets müssen wir dort investieren, wo die Gesellschaft
dauerhaft profitiert“, fordert Thomas Wrbka vom Naturschutzbund
Österreich .
Zwtl.: Lücken schließen, Transparenz sichern
Die Europäische Kommission wird den Entwurf nun prüfen,
anschließend muss Österreich den Plan weiterentwickeln und
finalisieren. „Entscheidend ist, dass die bestehenden Lücken dabei
tatsächlich geschlossen, die Ergebnisse der Partizipation
berücksichtigt und wesentliche Änderungen transparent gemacht werden.
Wir erwarten, dass die fehlenden Inhalte vollständig ergänzt werden
und nachvollziehbar bleibt, wie der Plan im Austausch mit der
Europäischen Kommission weiterentwickelt wird. Wenn zentrale Teile
erst nach der aktuellen Konsultation vorliegen oder wesentlich
verändert werden, muss es auch dazu nochmals eine angemessene
Möglichkeit zur Stellungnahme geben“, fordern die
Umweltorganisationen unisono.
Zwtl.: Jetzt Stellung nehmen
Der bislang noch unvollständige Wiederherstellungsplan liegt bis
mindestens 15. Oktober zur öffentlichen Konsultation auf. BirdLife,
Naturschutzbund und Umweltdachverband rufen dazu auf, diese
Möglichkeit zu nutzen und sich mit einer Stellungnahme für
Renaturierung und damit mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber den
Folgen des Klimawandels einzusetzen. Link zur Konsultation:
https://www.bmluk.gv.at/themen/klima-und-umwelt/natur-und-artenschutz
-und-biodiversitaet/wiederherstellungsverordnung/formular-
stellungnahme-wiederherstellungs-vo-zweite-konsultation.html