Wien (OTS) – Unter dem diesjährigen Motto „Nachhaltige
Transformation“ ruft der
Welttourismustag dazu auf, die Zukunft des Reisens fairer, sicherer
und ökologisch verantwortungsvoller zu gestalten. Wahre
Nachhaltigkeit endet nicht bei ökologischen Destinationen und fairen
Arbeitsbedingungen, sondern muss auch die Sicherheit und Rechte von
Kindern ins Zentrum stellen.
„Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche auf Reisen und
im Tourismus ist eine der schwersten und gleichzeitig am meisten
verdrängten Schattenseiten des globalen Tourismus“ , sagt Waltraud
Gugerbauer, Geschäftsführerin von ECPAT Österreich. „Solange Kinder
gefährdet sind, in Unterkünften, Reisedestinationen oder über Online-
Plattformen Opfer zu werden, können wir nicht von nachhaltiger
Transformation sprechen.“
Zwtl.: Touristische Infrastruktur als Risikofaktor
Weltweit nutzen Täter*innen unregulierte Angebote und
Infrastrukturen im Tourismus, um Kinder auszubeuten. Dies geschieht
in Unterkünften, bei Transportdiensten, im Vorfeld über digitale
Plattformen oder auch im Kontext von Freiwilligendiensten – wenn
beispielsweise Sprachreisen mit Einsätzen in Kinderheimen kombiniert
werden. Kinder werden dadurch in Gefahr gebracht, während Täter*innen
oftmals straflos bleiben.
Unregulierte Freiwilligenangebote dienen häufig auch als
schmutzige Geschäftsmodelle: Kinder werden mit falschen
Versprechungen oder Drohungen aus ihren Familien gerissen, um
Scheinwaisenhäuser oder Kinderheime für zahlende Freiwillige zu
füllen. Hier zeigt sich auch die enge Verbindung zum Menschenhandel.
Gerade deshalb braucht es bei heimischen Anbietern
Kinderschutzkonzepte und verpflichtende Schulungen, um
Präventionsmaßnahmen sicherzustellen und die Rechte von Kindern zu
wahren. Durch die Arbeit von WeltWegWeiser , der ADA-geförderten
Servicestelle für internationale Freiwilligeneinsätze, setzen viele
österreichische Entsendeorganisationen bereits Kinderschutzmaßnahmen
um.
Zwtl.: Verantwortung der Branche
Initiativen wie TheCode – The Code of Conduct for the Protection
of Children from Sexual Exploitation in Travel and Tourism zeigen,
wie Unternehmen Verantwortung übernehmen können. Sie bieten konkrete
Tools und Leitlinien, um Risiken zu erkennen, Mitarbeitende zu
schulen und Kinderschutzmaßnahmen in die tägliche Praxis zu
integrieren. ECPAT Österreich vertritt The Code auf nationaler Ebene
und unterstützt Unternehmen mit Expertise. Good-practice-Beispiel
Kneissl Touristik hat im Rahmen einer Nachhaltigkeitszertifizierung
den Schutz von Kindern in seine Abläufe integriert und inkludiert
eine umfassende Kinderschutz-Schulung ihrer Reiseleiter*innen
erstmals in ihr Trainingsprogramm. Nur wenn Risiken erkannt,
Prävention gelebt und im Ernstfall richtig reagiert wird, kann
Kinderschutz in der Branche wirksam verankert werden.
Verantwortung können auch Tourist*innen und andere Reisende
übernehmen, indem sie Kampagnen wie „Gegen das Wegsehen“ unterstützen
– eine Initiative von ECPAT in Zusammenarbeit mit dem
Bundeskanzleramt, dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und
Tourismus, dem Bundeskriminalamt sowie Vertreter*innen der
Reisebranche. Ziel ist es, Verdachtsfälle von Ausbeutung und
sexualisierter Gewalt auf Auslandsreisen über die Meldeplattform
www.nicht-wegsehen.at zu melden, um Täter*innen weltweit zur
Rechenschaft zu ziehen.
Echte Veränderung – eine nachhaltige Transformation – gelingt nur
im Zusammenspiel vieler Akteure. Unternehmen im Tourismus dürfen
Kinderschutz nicht als freiwillige Zusatzmaßnahme betrachten, sondern
als unverzichtbaren Bestandteil. „Nachhaltige Transformation
bedeutet, dass Reisen und Tourismus die Rechte von Kindern
respektieren, ihre Sicherheit garantieren und Täter*innen konsequent
zur Rechenschaft ziehen. Nur dann ist Tourismus wirklich
zukunftsfähig“ , betont Kerstin Dohnal, ECPAT-Expertin für
Kinderschutz im Tourismus und der EZA.

