Lienz – Wien (OTS) – Wie lassen sich Energiewende,
Versorgungssicherheit und Biodiversität
wirksam miteinander verbinden? Mit dieser zentralen Frage
beschäftigten sich rund 100 Expertinnen und Experten aus Verwaltung,
Wissenschaft, NGOs und Wirtschaft bei der Naturschutztagung der
Austrian Power Grid (APG), die am 19./20. Mai in Lienz stattfand. Im
Fokus standen innovative Ansätze, wie Infrastrukturflächen sicher und
effizient betrieben und gleichzeitig ökologisch aufgewertet werden
können.
„Im Rahmen unserer Naturschutztagung laden wir seit 2016 dazu
ein, miteinander zu diskutieren, einander zuzuhören und gemeinsam
über neue Lösungsansätze zur Förderung von Biodiversität und
Artenschutz nachzudenken. Als Übertragungsnetzbetreiber sind wir für
die sichere Stromversorgung in Österreich verantwortlich. Im Zentrum
unseres Handelns steht daher immer die Betriebssicherheit. Wenn wir
im Rahmen unserer Aus- und Umbauprojekte in die Natur eingreifen, ist
es für uns selbstverständlich, dass wir auch wieder etwas
zurückgeben. Dafür gibt es bei uns das Habitatmanagement, das sich
u.a. um Renaturierungsmaßnahmen kümmert,“ betont Gerhard Christiner,
Vorstandssprecher der APG, deren Netzinfrastruktur sich
österreichweit über rund 3.500 Kilometer Stromtrassen erstreckt.
9 Milliarden Euro für Versorgungssicherheit und leistbare
Energiewende
Christiner konstatiert: „In den kommenden zehn Jahren werden wir
insgesamt neun Milliarden Euro in den Ausbau und die Verstärkung
unseres überregionalen Stromnetzes investieren. Denn Österreich
braucht die Energiewende und die braucht den Netzausbau: Für mehr
Unabhängigkeit in der Energieversorgung genauso wie für eine
nachhaltige Stromversorgung aus Erneuerbaren und die Verfügbarkeit
von preisgünstigem Strom. Gleichzeitig brauchen wir mehr
Biodiversität, mehr ökologische Qualität und mehr Schutz für Arten
und Lebensräume. Allein 2026 investieren wir österreichweit 680
Millionen Euro in Leitungen und Umspannwerke. Damit leisten wir einen
wichtigen Beitrag zum Gelingen der versorgungssicheren, leistbaren
Energiewende. Und wir verfolgen konsequent das Ziel, Eingriffe in die
Natur so gering wie möglich zu halten und unvermeidbare Auswirkungen
durch umfassende Ausgleichs- und Naturschutzmaßnahmen zu
kompensieren.“
„Natur auf Zeit“: Freiwilliges Engagement ermöglichen
Zum Auftakt der Tagung wurde deutlich: Energieinfrastruktur und
Natur können einander ergänzen, ungenutzte Unternehmensflächen weit
mehr sein als rein funktionale Räume – sie bieten die Chance,
Rückzugsräume zu schaffen, Trittsteinbiotope zu entwickeln und
ökologische Korridore zu stärken.
Ein zentrales Thema der Tagung war der noch wenig etablierte
Ansatz „Natur auf Zeit“. Darunter versteht man die zeitlich
befristete ökologische Aufwertung von Flächen, ohne dass dadurch die
spätere rechtmäßige Nutzung dauerhaft eingeschränkt wird. Gerade
ungenutzte oder nur eingeschränkt genutzte Unternehmensflächen können
auf diese Weise vorübergehend wertvolle Lebensräume schaffen – etwa
für Blühpflanzen, Pionierarten, Insekten, Amphibien oder
spezialisierte Vogelarten. Unternehmen müssen darauf vertrauen
können, dass sie Flächen später wieder entsprechend ihrer
betrieblichen Erfordernisse nutzen können, ohne durch
zwischenzeitlich entstandene naturschutzfachliche Aufwertungen
eingeschränkt zu werden. In Bayern und Niederlande bestehen bereits
entsprechende rechtliche Lösungen, in Österreich gewinnt das Thema
erst seit Kurzem an Aufmerksamkeit.
Praxis, Regulierung und innovative Pflegekonzepte
Weitere Programmpunkte widmeten sich der Umsetzung der EU-
Renaturierungsverordnung sowie konkreten Praxisbeispielen.
Vorgestellt wurden unter anderem Pflegekonzepte, mit denen
Infrastrukturflächen ökologisch aufgewertet und gleichzeitig
betrieblich effizient bewirtschaftet werden können.
Etwa in Form der Trassenpflege mithilfe von Schafen und Ziegen:
Durch den Einsatz von Weidetieren können Lebensraumstrukturen gezielt
erhalten oder geschaffen und die Vielfalt von Flora und Fauna
gestärkt werden. Ein weiteres Beispiel für gezieltes
Habitatmanagement ist die Errichtung von Fischwanderhilfen. Naturnahe
Umgehungsgewässer ermöglichen Fischen eine sichere Wanderung und
schaffen zugleich neue Laich- und Rückzugsräume.
Spürhunde & Flussaufweitung
Ebenfalls am Programm standen zwei spannende Exkursionen, die
erste stellte die Arbeit des Vereins Naturschutzhunde vor. Speziell
trainierte Hunde sind nicht nur aus der Polizeiarbeit bekannt. Auch
im Naturschutz können sie wertvolle Dienste leisten – etwa bei der
Suche nach Tierarten, Nestern oder Spuren. Diese Methode ermöglicht
besonders präzise und effiziente Erhebungen und kann dazu beitragen,
Lebensräume möglichst störungsarm zu untersuchen. Großes Potenzial
bieten Monitoring- und Schutzmaßnahmen. Ausgebildete Hunde können
etwa eingesetzt werden, um bei der Kartierung von Trassen Fledermäuse
aufzuspüren.
Die zweite Exkursion führte in das Europaschutzgebiet Obere Drau
2 in Obergottesfeld (Kärnten), das zu den bedeutendsten naturnahen
Flusslandschaften Österreichs zählt. Die Obere Drau gilt als
Vorzeigebeispiel für gelungene Renaturierung und nachhaltige
Flussraumbewirtschaftung.
Dialog als Schlüssel
Ein wesentliches Ziel der APG-Naturschutztagung ist der Austausch
zwischen unterschiedlichen Perspektiven. Vertreterinnen und Vertreter
aus Ministerien, Behörden, internationalen Netzbetreibern,
Umweltorganisationen und Universitäten nutzen die Plattform für
Dialog und Vernetzung.
Ausgleichs- und Naturschutzmaßnahmen am Beispiel Salzburgleitung
Die APG-Salzburgleitung wurde im Juni 2025 in Betrieb genommen.
Bei deren Planung wurden höchste Ansprüche an den Schutz der Natur
gestellt. Auf etwa 1.100 Hektar, einer Fläche, die doppelt so groß
ist wie der Attersee, wurden in Salzburg fast 200 Ausgleichsmaßnahmen
für Flora und Fauna umgesetzt. Dazu zählen Schutzwaldprojekte sowie
Renaturierungsmaßnahmen im Ursprunger Moor, im Bereich Tauglboden und
in der Taugl Au sowie in der Weitwörther Au. Im Rahmen der
Ausgleichsmaßnahmen wurde auch ein in dieser Form einzigartiges
Artenschutzprojekt für das geschützte Auerhuhn auf einer Fläche von
rund 600 Hektar – vornehmlich im Pongau und im Pinzgau – realisiert.
Wichtigster Aspekt dabei ist die Verbesserung des Naturraums für
Auerhühner, etwa durch die Auflichtung von Baumbeständen. Zudem
wurden im gesamten Trassenbereich Lebensräume für Amphibien und
Reptilien geschaffen. APG investierte im Zuge des Baus der
Salzburgleitung mehr als 47 Millionen Euro in Naturschutzmaßnahmen
und den Erhalt der Biodiversität im Bundesland Salzburg.
Auf einen Blick:
– 601 ha CEF-Maßnahmen für das Auerhuhn
– 361 ha Ersatzleistungen nach SNSchG
– 103 ha Altholzzellen
– 22 ha Waldverbesserungsmaßnahmen
– 1 ha Schmetterlingswiese Gschwandtnerberg
– 127 km Leitung mit Vogelschutzmarkierungen
– 203 neue Lebensräume für Amphibien und Reptilien (Teiche und
Strukturmaßnahmen)
Über Austrian Power Grid (APG)
Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber verantwortet Austrian
Power Grid (APG) die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit unserer
leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur, sowie der
Anwendung von State-of-the-art-Technologien integrieren wir die
erneuerbaren Energien und reduzieren somit die Importabhängigkeit,
sind Plattform für den Strommarkt, schaffen Zugang zu preisgünstigem
Strom und bilden so die Basis für einen versorgungssicheren sowie
zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Das APG-Netz
erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 km, welches das
Unternehmen mit einem Team von rund 1.000 Spezialist:innen betreibt,
instand hält und laufend den steigenden Anforderungen der
Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie anpasst.
Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67
Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben.
Auch 2025 lag die Versorgungssicherheit, dank der engagierten
Mitarbeiter:innen, bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten
Spitzenfeld. Unsere Investitionen in Höhe von 680 Millionen Euro 2026
(2025:595 Mio., 2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sind
Wirtschaftsmotor und wesentlicher Baustein für die Erreichung der
Energieziele Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2035 rund 9
Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau investieren.
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