SOS Mitmensch: Beschwerde beim Presserat wegen Krone-Hetzartikel gegen Spitalspatienten

Wien (OTS) – SOS Mitmensch hat Beschwerde beim Presserat gegen einen
Artikel der
Kronenzeitung eingebracht, der Stimmungsmache gegen
Spitalspatientinnen und -patienten mit nichtösterreichischer
Staatsbürgerschaft betreibe. Der Artikel sei manipulativ und
aufhetzend verfasst und verletze journalistische und ethische
Grundsätze massiv, so die Menschenrechtsorganisation.

„Der Artikel der Kronenzeitung überschreitet sämtliche roten
Linien. Wenn sich die reichweitenstärkste Zeitung unseres Landes zum
Instrument einer manipulativen Hasskampagne einer sich immer weiter
radikalisierenden Partei machen lässt, dann kann nicht einfach zur
Tagesordnung übergegangen werden. Deshalb haben wir eine Beschwerde
beim Presserat eingebracht“, so Alexander Pollak, Sprecher von SOS
Mitmensch. Pollak verweist auf die inzwischen zahlreich vorliegenden
Faktenchecks, die den irreführenden, aufhetzenden und teilweise
faktenwidrigen Charakter sowohl des Krone-Artikels als auch der
gleichzeitig stattfindenden FPÖ-Kampagne entlarvt hätten. Fakt sei,
dass gerade die vom Krone-Artikel und der FPÖ diffamierten
Personengruppen das Spitalssystem weit unterdurchschnittlich in
Anspruch nehmen würden, so Pollak mit Verweis auf eine
Langzeitbeobachtung des Complexity Science Hubs und auf den geringen
prozentuellen Anteil der Leistungen der abgefragten Gruppen, der mit
2,75 Prozent weit unter ihrem Bevölkerungsanteil von 4,8 Prozent
liege. Statt korrekt zu informieren und einzuordnen, habe die
Kronenzeitung wichtige Zahlen weggelassen, herabwürdigende Begriffe
wie „Spitals-Touristen“ gebraucht, Spitalsleistungen
fälschlicherweise mit „Klinik-Besuchen“ gleichgesetzt, medizinisch
notwendige plastische Eingriffe als „Schönheitsbehandlungen“
diffamiert und Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft, ganz
im Sinn der von der FPÖ platzierten Hasskampagne, zu Sündenböcken für
Defizite im Gesundheitssystem abgestempelt, so Pollak.

Hintergrund: Die Kronenzeitung hat am 25. Jänner eine
parlamentarische Anfrage der FPÖ zu Spitalspatientinnen und –
patienten mit nichtösterreichischen Staatsbürgerschaften
aufgegriffen. Laut der Anfragebeantwortung des Sozialministeriums hat
es innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren knapp 22 Millionen
Spitalsleistungen für die betreffenden Personengruppen gegeben.
Sowohl die FPÖ als auch die Kronenzeitung erwähnen in ihrer
Kommunikation nicht, dass im gleichen Zeitraum insgesamt mehr als 800
Millionen Spitalsleistungen erbracht wurden, es sich bei den knapp 22
Millionen somit um 2,75 Prozent der Leistungen handelt, was ein im
Vergleich zur Bevölkerungszahl weit unterdurchschnittlicher Wert ist.

SOS Mitmensch verurteilt den Manipulationsversuch, „der
Österreich spalten und zu Hass gegen hier lebende Menschen aufgrund
ihrer Staatsbürgerschaft anstacheln soll“. An die Kronenzeitung
richtet die Menschenrechtsorganisation den eindringlichen Appell,
„journalistische Grundsätze einzuhalten und der FPÖ nicht auf ihrem
Weg der Radikalisierung zu folgen“. Es sei jetzt die wichtige Aufgabe
des Presserats klare rote Linien zu markieren.