Innsbruck (OTS) – Mit Anfang Oktober läuten die 225 Hütten des
Österreichischen
Alpenvereins das Ende der Sommersaison ein. Dass das Wandern
landesweit immer noch boomt, belegen die Nächtigungszahlen. Auch die
verregneten Wochen konnten die Freude der Wirtsleute nicht trüben,
war es doch eine Saison mit neuen Rekorden. Neben den Gründen für die
Steigerung der Nächtigungen um 14 Prozent geben sie auch einen
Einblick in neue Entwicklungen: Jüngere Gäste, weniger Alkohol und
das Problem mit der Wasserversorgung.
Mit Schneeflocken in der Luft gehen nun die meisten
Alpenvereinshütten in den Saisonabschluss über. Während die höchst
gelegenen bereits im September ihre Pforten geschlossen haben, wird
es nun auch näher am Tal Zeit zum Einwintern. Die letzten Tagesgäste
werden versorgt, daneben wird geputzt, gewaschen und eingelagert.
Zwtl.: 14 Prozent mehr Nächtigungen als im Vorjahr
Der Alpenverein kann auf eine starke Saison zurückblicken, zeigt
sich Carolin Scharfenstein von der Abteilung Hütten und Wege im
Alpenverein zufrieden: „Österreichweit kommen unsere Hütten auf ein
Nächtigungsplus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine
beeindruckende Steigerung, die regional natürlich unterschiedlich
stark ausgeprägt ist. Wichtigster Faktor ist das Wetter – die
verregneten Juliwochen waren definitiv spürbar, vor allem bei den
Tagesgästen, aber der stabile August hat diesen Verlust wieder
wettgemacht.“
Auf der Totalp-Hütte in Vorarlberg spricht Wirtin Angelina Beck
von einem „bombastischen“ Sommer, der August sei „einer der besten“
in ihrer 10-jährigen Hüttenlaufbahn gewesen. Die Nächtigungszahlen
auf der Hofalm-Hütte in Oberösterreich haben heuer laut Pächter
Gabriel Povacz ein „Rekordhoch“ erreicht. Und auch am Arthur-von-
Schmid-Haus in Kärnten gab es ein Plus zum Vorjahr – aber laut Bernd
Fuchsloch, der nach sieben Jahren als Hüttenwirt in den Ruhestand
geht, „hätte es noch deutlich besser sein können, wenn es im Juli
nicht genau an den Wochenenden geregnet hätte“.
Einen großen Vorteil sehen die Wirtsleute im Online-Hütten-
Reservierungssystem , das den Gästen aufgrund der Stornobedingungen
eine gewisse Verlässlichkeit abverlangt. „Wir haben dadurch nicht
mehr so viele spontane Absagen. Natürlich geht man bei Schlechtwetter
nicht die geplante Gletschertour, aber viele Gäste kommen auch bei
Nieselregen trotzdem und genießen die Zeit auf der Hütte“, so
Nicholaus Ziegler von der Zittauer Hütte in Salzburg .
Zwtl.: Wasserversorgung wird immer mehr zum Problem
Zumindest einen Vorteil hatte der Regen im Juli: Die
Wasserspeicher wurden nochmals aufgefüllt und einige Hütten konnten
vor dem „Trockenlaufen“ bewahrt werden. „Die Wasserknappheit ist ein
Problem, das unsere Hütten zunehmend zu spüren bekommen und das in
Zukunft einige Umbauten erforderlich machen wird“, sagt Carolin
Scharfenstein vom Alpenverein. Das belegt auch Bernhard Schwarz von
der Julius-Seitner-Hütte in Niederösterreich : „Wasser ist bei uns
ein kritisches Thema. Die Quelle versorgt uns nach dem Regen nur noch
drei Wochen lang, nach einem Monat wird es dann auch mit den
Wassertanks eng. Auch die Bauern mussten ihre Kühe heroben schon mit
Wasser aus Tankwägen versorgen, weil aus den Bächen zu wenig
nachkommt. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Trockenzeiten
künftig überstehen und jegliches Regenwasser einfangen können.“ Auch
auf der Hofalm-Hütte (OÖ) wurde geschwitzt: „Wir sind bei der
Hitzewelle im Juni fast trocken gelaufen. Im Berg ist eindeutig
weniger Wasser gespeichert, auch die Bäche sind deutlich niedriger
geworden“, so Pächter Gabriel Povacz.
Zwtl.: Trends am Berg: Jüngere Gäste und weniger Alkohol
Quer durch die Bank haben die Pächter*innen der
Alpenvereinshütten spannende Entwicklungen wahrgenommen: Die Gäste
werden jünger, es kommen auch mehr Familien mit Kindern . Vor allem
die leichter erreichbaren Hütten haben hier deutliche Zunahmen
registriert, wie Angelina Beck von der Totalp-Hütte (VBG) bestätigt:
„Es scheint einen Trend weg vom Ski- zum Wanderurlaub zu geben. Wir
haben immer mehr Familien, die ihren Sommerurlaub unweit des eigenen
Zuhauses auf der Hütte verbringen.“
Gleichzeitig ist auch der Alkoholkonsum zurückgegangen, die Wirt*
innen verkaufen nun deutlich mehr alkoholfreies Bier und Säfte.
Gabriel Povacz von der Hofalm-Hütte dazu: „Der Trend geht eindeutig
weg vom Alkohol, unsere Gäste haben heuer 60 Prozent mehr alkoholfrei
konsumiert. Schnaps haben wir fast keinen mehr verkauft“. Auch der
Fleischkonsum sinkt, die Wirtsleute haben zunehmend vegetarische und
vegane Gerichte auf der Speisekarte. „Wir verkaufen zu je einem
Drittel vegetarisch und vegan. Ein Drittel sind nach wie vor
Fleischgerichte, aber auch hier geht die Fleischmenge zurück, das
Fleisch ist nicht mehr so dominierend im Menü“, sagt Bernhard Schwarz
von der Julius-Seitner-Hütte (NÖ) .
Außerdem registrieren die Wirtsleute neue Trends bei den
Bergsportarten: Das Weitwandern erfreut sich zunehmender Beliebtheit,
was vor allem die Hütten an den Weit- und Fernwanderwegen zu spüren
bekommen. Bei Thomas Fankhauser von der Franz-Senn-Hütte in Tirol
kehrten aufgrund der Lage am beliebten Stubaier Höhenweg fast
ausschließlich Gäste ein, die in mehreren Tagen von Hütte zu Hütte
wandern. Tagesgäste hatte er aufgrund einer Straßensperre im Tal fast
keine mehr. Auch die Pühringer-Hütte in der Steiermark hat aufgrund
des Höhenwegs von der Nachbarhütte deutlich mehr Nächtigungsgäste
registriert.
Doch auch ungeübtere Wanderer, die ihre ersten Hüttenerfahrungen
sammeln, sind immer häufiger auf den Hütten anzutreffen. „Oft fehlt
das Vorwissen, warum da überhaupt eine Hütte steht und wer das alles
finanziert“, so Fankhauser. Auch auf die Hofalm-Hütte kommen viele
Gäste, „die zum ersten Mal am Berg schlafen. Einige haben noch kein
Bewusstsein dafür, dass eine Hütte autark funktionieren muss, dass
Strom und Wasser keine Selbstverständlichkeit sind. Aber es ist eine
Freude, sie ins Bergleben einzuführen. Ich bin mega happy mit meinen
Gästen, wir haben durchwegs nette Leut‘“, sagt Hüttenwirt Gabriel
Povacz.
Zwtl.: Jetzt winken Urlaub und Zeit mit der Familie
Nun sind auf den meisten Hütten die Sachen gepackt und die Wirt*
innen bringen ihre liebgewonnenen Stützpunkte in den Winterschlaf.
Auf die meisten wartet nach der anstrengenden Saison Zeit mit der
Familie – und endlich Urlaub. Der Tiroler Thomas Fankhauser
schmunzelt: „Jetzt ist es mir gleich, wenn’s mal nicht mehr 24/7
durchgeht.“
Zwtl.: Linktipps:
–
Welche Hütten haben noch geöffnet? Hüttenöffnungszeiten 2025:
www.alpenverein.at/portal/huetten-wege/huettenoeffnungszeiten.php
–
Hütten online reservieren | Online-Hütten-Reservierungssystem:
www.alpenverein.at/portal/huetten-wege/ohrs/index.php
–
Hütten finden und filtern im Tourenportal des Alpenvereins |
alpenvereinaktiv.com:
www.alpenvereinaktiv.com/de/huetten
–
Besonders familienfreundliche Hütten | Siegel „Mit Kindern auf
Hütten“:
www.alpenverein.at/portal/huetten-wege/guetesiegel-und-kampagnen/mit-
kindern-auf-huetten/mit_kindern_auf_huetten.php
–
Weitere Gütesiegel auf Alpenvereinshütten | Umweltgütesiegel, „So
schmecken die Berge“, Genießerhütten:
www.alpenverein.at/portal/huetten-wege/guetesiegel-und-
kampagnen/index.php
–
Hüttenknigge | Rücksichtsvolles Verhalten auf Alpenvereinshütten:
www.alpenverein.at/portal/huetten-wege/regelungen/Huettenknigge.php
Passendes Bildmaterial zum Download im Pressebereich:
www.alpenverein.at/presse

