Zunehmende Vermüllung: Verbot der Altkleidersammelcontainer auf öffentlichem Grund

Wien (OTS) – Mit einer Novelle des Gebrauchsabgabengesetzes steht das
Verbot von
Altkleidercontainern im öffentlichen Raum auf der Tagesordnung der
heutigen Landtagssitzung. Mit dieser Maßnahme will die Stadt Wien die
zunehmende Vermüllung auf Gehsteigen und Straßen reduzieren. Denn
diese hat in den letzten Jahren merklich zugenommen, das Bild ist in
allen Bezirken bekannt: Aus Altkleidercontainern privater Unternehmen
herausgerissene Kleider, die wild verstreut rund um die Container auf
den Gehsteigen liegen. Laufend werden Container illegal geöffnet bzw.
aufgebrochen und die offenkundig brauchbaren Kleidungsstücke
entnommen. Der weniger interessante Rest wird oft neben den
Containern einfach liegen lassen, achtlos auf Gehsteige und Straßen
geworfen. Die Ware ist dann ebenfalls kaputt und Abfall und
demotiviert jene, die ihre Altkleider ordnungsgemäß abgegeben haben.
Es kommt nicht nur zur Verunreinigung durch die Textilien selbst auf
den Gehsteigen, auch Ungeziefer und weiterer Vermüllung rund um die
Container ist damit Tür und Tor geöffnet, Schmutz zieht bekanntlich
Schmutz an.

Die Beschwerden nehmen aus allen Bezirken laufend zu, über die
„Sag‘s Wien App“ wurden im Vorjahr fast 800 und heuer bereits über
340 übermittelt. Die MA 48 muss mehrfach täglich ausrücken, um
herumliegende Altkleidung einzusammeln und zu entsorgen. Sie hat
alleine im März 2026 ganze 1257 Fälle von Verunreinigungen
dokumentiert. Die privaten Betreiber der Container wurden immer
wieder aufgefordert, diese Missstände zu beseitigen und für
Sauberkeit im Umfeld ihrer Container zu sorgen. „Bedauerlicherweise
waren diese Bemühungen erfolglos, die Betreiber bekommen dieses
Problem nicht in den Griff und lagern die Probleme und Kosten an die
Öffentlichkeit aus. Der öffentliche Raum in unserer Stadt ist ein
kostbares Gut, mit dem wir sorgsam umgehen. Und daher sind nun
weitere Maßnahmen nötig. Wir werden das Aufstellen dieser
Altkleidercontainer auf öffentlichem Grund künftig verbieten. Es gibt
eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, Altkleider zu entsorgen bzw.
einer sinnvollen Weiter- bzw. Wiederverwertung zuzuführen. Es gibt
kein generelles Sammlungsverbot für Alttextilien, auf Privatgrund ist
dies weiterhin möglich“, erläutert die für den öffentlichen Raum
zuständige Planungsstadträtin Ulli Sima. Aktuell sind in Wien 2.280
Altkleidersammelcontainer auf öffentlichem Grund – meist im Umfeld
von Altstoffsammelinseln – durch die MA 46 bewilligt.

Verbot der Altkleidercontainer im öffentlichen Raum ab 1.1.2027

Rechtliche Grundlage für ein Verbot ist eine Änderung des Wiener
Gebrauchsabgabegesetzes, das heute auf der Tagesordnung im Wiener
Landtag steht. Zudem braucht es noch eine ortspolizeiliche Verordnung
des Magistrats zur Behebung des Missstandes. Das Verbot soll mit
1.1.2027 in Kraft treten. Es betrifft explizit die Aufstellung von
Altkleidersammelcontainern auf öffentlichem Grund, das Sammeln von
Altkleidern per se bleibt grundsätzlich erlaubt. Mit der Entfernung
der Container im öffentlichen Raum wird eine massive Reduktion der
Verschmutzung erwartet.

Alternativen auf Mistplätzen und Secondhand-Shops sowie auf
Internetplattformen

„Ein gutes Leben in unserer Stadt hat sehr viel mit Wertschätzung
zu tun – mit Wertschätzung füreinander, aber auch für unsere Umwelt:
Deshalb setzen wir als Stadt Wien auf Kreislaufwirtschaft, auf lokale
Wertschöpfung und ReUse“, betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky.
„Wir unterstützen die Verwertung von Altkleidern und bieten schon
seit langem die Abgabe auf den Wiener Mistplätzen, wo Altkleider-
Sammelcontainer zur Verfügung stehen. Die abgegebene Kleidung wird
sortiert und schöne Ware im 48er-Tandler in Margareten sowie in der
Donaustadt weiterverkauft!“

Alternativ kann bei Annahmestellen karitativer Organisationen,
wie der Volkshilfe oder der Caritas, nicht mehr benötigte Kleidung
weiterhin abgegeben werden, auf privatem Grund können auch weiterhin
Container aufgestellt werden.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Plattformen zum
Kleidertausch, auch einige Modeketten bieten bereits eigene
Secondhand-Plattformen an und nehmen gebrauchte Kleider auch in den
Shops zurück.

Nur qualitativ hochwertige Ware eignet sich für lokales ReUse

Voraussetzung für eine Wiederverwendung von gebrauchten
Kleidungsstücken ist, dass nur qualitativ hochwertige Ware abgegeben
wird, die auch Abnehmer*innen findet.

Durch die Flut an Fast-Fashion bzw. Ultra-Fast Fashion ist diese
Qualität nicht immer gegeben. Die Folge: Zahlreiche Kleidungsstücke
können in Österreich und Europa nicht weiter- bzw. wiederverwendet
werden. „Daher ist die oberste Prämisse: nur jene Kleidungsstücke
weiterzugeben, worüber sich auch Freunde oder Familienmitglieder
freuen würden. Bitte daher keine verunreinigten, verschlissenen,
reparaturbedürftigen Textilien bzw. Kleidungsstücke abgeben. Diese
bitte im Restmüll entsorgen“, so der Klimastadtrat.

Die lange Reise der Altkleider

Erst kürzlich hat eine Greenpeace Recherche ergeben, wie weit die
gesammelten Altkleider oft reisen und nur ein geringer Anteil
tatsächlich wiederverwendet wird. Ein Teil landet laut der Studie –
nach langen Reisen um den halben Erdball – schließlich häufig auf
Müllhalden anstatt in den Kleiderkästen anderer Menschen.

Aufgrund der immer schlechteren Qualität der Sammelware kommt es
am europäischen Markt auch zu einem massiven Preisverfall.
Großabnehmer*innen und Sortieranlagen in Europa verlieren ihre
Absatzmärkte und führten in jüngster Zeit auch zu Konkursen bereits
etablierter Sortierer in Europa. Da das Geschäftsmodell mit den
Altkleidern zusammenzubrechen droht, muss umgedacht werden.

Alttextilien und Kreislaufwirtschaft

Mit den neuen Vorgaben der EU-Abfallrahmenrichtlinie werden sich
die Rahmenbedingungen für die Textilbewirtschaftung in Europa schon
bald verändern. Im Wege der erweiterten Herstellerverantwortung soll
die Sammlung und Verwertung aller Textilabfälle (zukünftig auch nicht
wiederverwendbarer Altkleider) spätestens ab 2028 neu aufgestellt und
finanziert werden. In weiterer Folge sollen auch entsprechende
Behandlungskapazitäten in der EU entstehen, um alle Alttextilien
einer Wiederverwendung oder einem Recycling zuführen zu können.

rk-Fotoservice: https://presse.wien.gv.at/