Wien (OTS) – Das österreichische Gesundheitssystem gerät aufgrund
diverser
Entwicklungen – wie dem demografischen Wandel, dem Budgetdefizit und
dem internationalen Wettbewerb – zunehmend unter Druck. Folglich
steht auch die onkologische Versorgung als wesentlicher Kostenfaktor
auf dem Prüfstand. Doch lässt sich die Situation rein auf Basis
monetärer Fakten bewerten? Oder sollte nicht ebenso der individuelle
und nicht-monetäre Wert onkologischer Therapien als
Entscheidungsgrundlage herangezogen werden?
Ein Green Paper der FOPI Oncology Platform geht diesen Fragen
gemeinsam mit einer Expert:innen-Runde bestehend aus Priv.-Doz. Dr.
Kathrin Strasser-Weippl , MBA (Österreichische Gesellschaft für
Hämatologie & Medizinische Onkologie), Dr. Monika Hackl (Statistik
Austria), Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant (ABCSG, Comprehensive Cancer
Center – Medizinische Universität Wien), Prim. Priv.-Doz. Dr.
Arschang Valipour (Klinik Floridsdorf, Karl-Landsteiner-Institut für
Lungenforschung) sowie Dr. Sara Leitao und Mag. Gerald Hütter als
Vertreter:innen des FOPI nach und evaluiert, wie dieser Nutzen
gemessen werden kann.
Ob eine innovative Therapie Patient:innen im Kampf gegen ihre
Krebserkrankung tatsächlich einen nicht-monetären Nutzen bringt,
zeigt sich an mehreren klinisch relevanten Endpunkten: einem
wirksamen Therapieansprechen zur Reduktion der Tumorlast, einem
verlängerten progressionsfreien Überleben zur möglichst langen
Stabilisierung der Erkrankung und letztlich an der Maximierung des
Gesamtüberlebens.
Um diesen Patient:innennutzen transparent zu evaluieren, werden
strukturierte Informationen zu den diagnostischen Pfaden, Zeitachsen
vom Symptom-Onset bis zur Therapie, sowie Verlaufsdaten zu
Therapiesequenzen, Therapieabbrüchen, Nebenwirkungen, Progressions-
und Rezidivdaten, Lebensqualität, sowie zu systemischen Effekten wie
Hospitalisierungsdauer und/oder Ressourcenverbrauch benötigt. Doch
stehen diese Daten in der Gesamtheit zur Verfügung?
Zwtl.: Real-World-Evidenz onkologischer Therapien nur fragmentiert
verfügbar
Eine intensive Diskussion im Vorfeld der Green Paper-Formulierung
zeigte klar: Die klinische Dokumentation von Patient:innendaten ist
in Österreich grundsätzlich umfassend vorhanden, erfolgt jedoch
technisch unstrukturiert, organisatorisch zersplittert und ohne
nationale Governance Rahmenbedingungen. Dadurch bleibt das Potenzial
dieser Daten für eine österreichweite systematische Nutzenbewertung
weitgehend ungenutzt. Obwohl der Bedarf nach einer nationalen
Vereinheitlichung bereits im Krebsrahmenprogramm 2014 adressiert
wurde, besteht bis heute keine durchgängige Umsetzung.
Der Nutzen onkologischer Innovationen im Versorgungsalltag ist
daher derzeit nur unvollständig abbildbar. Die Evidenzlage wird
primär durch klinische Zulassungsstudien bestimmt, während
strukturierte Real World Evidenz über Therapiesequenzen,
Verträglichkeit, Lebensqualität und Behandlungsergebnisse nur
fragmentiert verfügbar sind.
Zwtl.: Einheitliche onkologische Verlaufsdokumentation nötig
Ohne belastbare Verlaufsdaten riskieren wir jedoch, vorhandene
Stärken nicht gezielt abzusichern und Versorgungsqualität, Outcomes
sowie Effizienz schleichend zu verlieren. Denn strukturierte Real
World Evidenz ist die Voraussetzung, um das heute hohe
Versorgungsniveau in der Onkologie zu gewährleisten und dort gezielt
zu verbessern, wo der Versorgungsalltag von der Evidenz abweicht. Das
ist die Grundlage für Entscheidungen, die für Krebspatient:innen auch
in Zukunft die Behandlung am besten Stand der Wissenschaft
ermöglichen.
Wie ein im Jänner 2026 veröffentlichter Bericht im
Österreichischen Krebsreport zeigt, ist eine nicht-monetäre
Nutzendarstellung innovativer Therapien grundsätzlich möglich. Diese
erstmals für Österreich durchgeführte Analyse stellt den Mehrwert und
die Aussagekraft einer umfassenden Dateninterpretation dar. Sie zeigt
das in den Daten steckende Potenzial und, dass eine solche Analyse
prinzipiell möglich ist.
Allerdings offenbart dieser Einzelbericht auch, dass wir in
Österreich von einer routinemäßigen Berechnung des
Patient:innennutzen noch weit entfernt sind. Denn die Daten sind zwar
vorhanden, allerdings ist noch keine systematische Nutzung davon
möglich, und genauso wenig die nachhaltige Sicherung des heute
erreichten Versorgungsniveaus in der Onkologie.
Ziel sollte daher sein, einen Rahmen für eine einheitliche
onkologische Verlaufsdokumentation zu entwickeln, die den Nutzen im
Versorgungsalltag abbildet und das hohe Versorgungsniveau in der
Onkologie langfristig absichert.
Mehr dazu im Green Paper „ Was ist der nicht-monetäre Mehrwert
onkologischer Innovation für Patient:innen in Österreich? “


