Wien (OTS) – Als der Liter Diesel im Sommer 2022 die Zwei-Euro-Marke
durchbrach,
war der Schuldige schnell gefunden: die Tankstelle um die Ecke. Eine
Auswertung veröffentlichter Jahresabschlüsse durch das neue
Unternehmensportal FirmenMonitor.com zeigt, dass die Realität anders
aussieht.
Der aufschlussreichste Vergleichszeitraum ist zwischen 2023 und
heute, weil der Rohölpreis fast identisch ist: 48,2 Cent im Mittel
2023, 50,7 Cent am 27. Juli 2026. Der Dieselpreis liegt trotzdem um
40,9 Cent höher. Die Bundeswettbewerbsbehörde hat 2022 diese Marge,
die sich zwischen Raffinerie, Logistik und Tankstelle aufteilt,
analysiert und kam zum Ergebnis: Die Bruttomargen der Raffinerien
haben sich gegenüber dem Vorkriegsniveau mindestens verdoppelt, bei
den Tankstellen fand die Behörde nur für März 2022 substanziell
erhöhte Werte; danach lagen sie kaum darüber, bei gleichzeitig
gestiegenen Transport- und Energiekosten. Die Auswertung der
Jahresabschlüsse durch FirmenMonitor.com stützt dieses Ergebnis: Das
Gewinnniveau der unabhängigen Tankstellen blieb über den gesamten
Zeitraum im Wesentlichen unverändert.
Zwtl.: Es gibt nicht den „einen“ Tankstellenmarkt
Ein Anstieg des Ölpreises bleibt nicht unmittelbar an der
Zapfsäule hängen. Der Großhandelspreis wird nach Feststellung der
Bundeswettbewerbsbehörde nicht frei verhandelt: Er folgt den
internationalen Notierungen, zuzüglich eines Aufschlags, der einmal
jährlich zwischen Raffinerie und Käufer fixiert wird, kaum fünf Cent
je Liter übersteigt und an die Raffinerie fließt, nicht an die
Tankstelle. Was die Tankstelle verdient, ist das, was nach Abzug
dieses Aufschlags von der Differenz zwischen Einkaufsnotierung und
eigenem Nettoverkaufspreis übrigbleibt. Genau hier haben große
Betreiber einen Vorteil: Sie schließen wie Konzerne Jahresverträge
mit monatlicher Abrechnung zum Monatsdurchschnitt ab, wodurch das
Risiko kurzfristiger Schwankungen bei der Raffinerie liegt. Kleinere
Tankstellen beziehen von Händlern und rechnen tagesaktuell ab. Sie
tragen die Preisschwankungen selbst. In einem Jahr, in dem diese
Schwankung binnen Tagen bis zu 30 Cent je Liter beträgt, ist das ein
enormer Unterschied.
Zwtl.: Die Branchenanalyse zeigt, die Betriebsgröße entscheidet
Eine tiefere Analyse von über 1.400 Bilanzen der
Tankstellenbranche durch FirmenMonitor.com zeigt ein
differenzierteres Bild der Profitabilität der Branche. Die folgende
Auswertung der analysierten Daten verdeutlicht, dass die großen
Betriebe mit einer Bilanzsumme über 5 Mio. Euro deutlich profitabler
sind und kein Betrieb überschuldet ist. Nicht das Logo entscheidet,
sondern die Größe. Der Zugang zu Jahresverträgen mit
Monatsdurchschnittsabrechnung, also zur Absicherung gegen
kurzfristige Preisschwankungen, ist dabei entscheidend. Bemerkenswert
ist, dass es sich bei diesen 19 größten Betrieben ausnahmslos um
unabhängige österreichische Familien- und Mittelstandsunternehmen
handelt — kein einziger davon gehört zu einem Mineralölkonzern. Unter
einer Bilanzsumme von 300.000 Euro schreibt dagegen jeder zweite
Betrieb Verluste und fast jeder dritte ist überschuldet.
Den vollständigen Artikel inklusive Diagramme finden Sie unter:
https://firmenmonitor.com/blog/wer-verdient-an-den-hohen-spritpreisen