Wien (OTS) – Wien, 4. September 2026 – Das Wiener Handwerk wird
jünger,
vielfältiger und durchbricht zunehmend auch traditionelle
Rollenbilder: Insgesamt 396 Meister- und Befähigungsprüfungen wurden
im vergangenen Jahr erfolgreich abgelegt. Während Frauen verstärkt in
klassische Männerberufe vordringen, entscheiden sich immer mehr
Männer für Berufe, die lange als typische Frauenberufe galten. Ein
Beispiel dafür ist der neue Wiener Meister Muhammed Enes Demirel, der
seine Meisterprüfung im Bereich Kosmetik (Schönheitspflege)
erfolgreich abgelegt hat.
„Hinter jedem Meisterbrief steht viel Engagement, Fachwissen und
Leidenschaft für das eigene Handwerk. Unsere neuen Wiener
Meisterinnen und Meister sind ein starkes Zeichen dafür, dass das
Handwerk in Wien nicht nur Tradition hat, sondern auch beste
Perspektiven für die Zukunft bietet“, betont Gerhard Komarek, Obmann
der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Wien.
Baumeister an der Spitze
Die größte Gruppe der neuen Meister stellen die Baumeister mit 44
bestandenen Prüfungen. Dahinter folgen die Denkmal-, Fassaden- und
Gebäudereiniger mit 33 Abschlüssen sowie Kosmetik (Schönheitspflege)
mit 29. Ebenfalls stark vertreten sind Elektrotechnik mit 25 sowie
Friseur- und Perückenmacher mit 18 bestandenen Prüfungen. Jeweils 17
neue Meister verzeichneten die Bereiche Konditorei, Gartenbau und
Kraftfahrzeugtechnik.
Gleichzeitig zeigt die Statistik die enorme fachliche Vielfalt
des Wiener Handwerks. Auch hochspezialisierte Berufe wie
Orthopädietechnik, Metalldesign, Kälte- und Klimatechnik, Stuckateur-
und Trockenbau oder Wärme-, Kälte-, Schall- und Branddämmung tragen
mit ihrem Expertenwissen wesentlich zur Qualität und Innovationskraft
des Wirtschaftsstandorts Wien bei.
Handwerk kennt keine Rollenbilder
Die Meister- und Befähigungsprüfungen spiegeln auch den
gesellschaftlichen Wandel wider. Immer mehr Frauen absolvieren
erfolgreich Meisterprüfungen in traditionell männerdominierten
Gewerken. Gleichzeitig entscheiden sich zunehmend Männer für Berufe,
die lange als klassische Frauenberufe galten.
Einer von ihnen ist Muhammed Enes Demirel (26 Jahre), neuer
Meister im Bereich Kosmetik (Schönheitspflege). Für ihn steht dabei
der Mensch im Mittelpunkt: „Ich habe mich für den Beruf entschieden,
weil ich Menschen dabei helfen möchte, sich wohler in ihrer Haut zu
fühlen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Mich fasziniert, dass
die Kosmetik medizinisches Wissen, moderne Technologien und Ästhetik
miteinander verbindet.“
Die Meisterprüfung war für ihn ein wichtiger Meilenstein: „Sie
steht für Fachwissen, Qualität und Verantwortung. Der Abschluss
bestätigt meine Qualifikation und gibt meinen Kundinnen und Kunden
zusätzliches Vertrauen. Gleichzeitig eröffnet er mir neue
Möglichkeiten, mein Unternehmen weiterzuentwickeln und mein Wissen
laufend zu erweitern.“
Sein Rat an junge Menschen lautet: „Man sollte einen Beruf
wählen, der wirklich Freude bereitet und zu den eigenen Interessen
passt. Mit Motivation, Fleiß und Ausdauer kann man sehr viel
erreichen. Man sollte sich nicht von Vorurteilen oder traditionellen
Rollenbildern einschränken lassen, sondern seinen eigenen Weg gehen.“
Erich Mähnert, Innungsmeister der Fußpfleger, Kosmetiker und
Masseure: „Wir freuen uns über Persönlichkeiten wie Herr Demirel in
unserer Branche – Sie machen sichtbar, wie vielfältig die
Karrierewege in der Kosmetikbranche heute sind. Das Berufsbild
entwickelt sich ständig weiter – sowohl fachlich als auch
technologisch – und eröffnet Unternehmer:innen zahlreiche
Möglichkeiten. Es gibt nicht den einen Weg zum Erfolg – jede
Unternehmerin und jeder Unternehmer muss den für sich passenden
finden. Die Meisterprüfung bleibt dabei ein unverzichtbares
Gütesiegel: Sie steht für höchste fachliche Kompetenz und gibt sowohl
Kund:innen als auch Unternehmer:innen gleichermaßen Sicherheit.“
Meisterprüfung kennt kein Ablaufdatum
Dass Meisterschaft keine Frage des Alters ist, zeigt auch die
Statistik: Die jüngste erfolgreiche Meisterin des Jahres wurde 2006
geboren und absolvierte ihre Prüfung im Beruf Herrenkleidermacherin.
Am anderen Ende der Altersskala steht ein 64-jähriger Meister (
Jahrgang 1962), der die Befähigungsprüfung im Bereich Überlassung von
Arbeitskräften erfolgreich absolvierte. Zwischen Generation TikTok
und jahrzehntelanger Berufserfahrung gilt damit: Für den
Meisterabschluss ist es nie zu früh – und schon gar nie zu spät.
Über die Sparte Gewerbe und Handwerk
Die Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Wien ist
mit 62.650 Mitgliedern die größte Sparte Wiens und zugleich die
stärkste. Insgesamt verfügt sie über 78.320 Berechtigungen, davon
sind 51.809 Mitglieder aktiv, 10.841 ruhend. Allein im ersten Quartal
2026 verzeichnete die Sparte einen positiven Saldo von +2.033 aktiven
Mitgliedern – der höchste absolute Zuwachs unter allen Wiener
Sparten.
Ihre besondere Stärke liegt in ihrer außergewöhnlichen fachlichen
Vielfalt: Insgesamt umfasst die Sparte 69.197
Fachgruppenmitgliedschaften. Diese Zahl liegt über der Zahl der
Mitglieder, da viele Betriebe mehreren Fachgruppen angehören und
unterschiedliche Gewerbe- und Tätigkeitsbereiche abdecken. Zu den
größten Fachgruppen zählen Personenberatung und Personenbetreuung (
13.319 Mitglieder), Gewerbliche Dienstleister (8.379), Persönliche
Dienstleister (7.438), die Landesinnung Fußpfleger, Kosmetiker und
Masseure (4.867) sowie die Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger (
4.543). Bemerkenswert ist zudem die Geschlechterverteilung: Entgegen
klassischen Vorstellungen vom Handwerk sind in der Sparte mehr Frauen
(27.271) als Männer (21.673) vertreten – ein Zeichen für die starke
Bedeutung personenbezogener und dienstleistungsnaher Gewerbe
innerhalb der Sparte.
Anmerkung: Die Statistik umfasst alle Personen, die 2025 in Wien
eine Meister- oder Befähigungsprüfung abgelegt haben; nicht alle
Absolventinnen und Absolventen sind in Wien wohnhaft.
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