Tierschutz Austria: Systemversagen in Amstetten

Wien/Vösendorf (OTS) – Der Fund von rund 400 verendeten und teilweise
verwesten Schweinen
sowie einem Fehlbestand von etwa 1.000 Tieren auf einem Mastbetrieb
im Bezirk Amstetten ist kein isolierter Einzelfall, sondern Ausdruck
eines unterfinanzierten und unzureichenden Kontrollsystems.
Tierschutz Austria fordert die sofortige Institutionalisierung
fachkundiger, unangekündigter Tierschutzkontrollgruppen und eine
massive Stärkung der amtlichen Veterinärkontrollen.

„ Hunderte Tiere sind über Wochen oder Monate qualvoll
verhungert. Solche Zustände dürfen in einem Rechtsstaat mit
Tierschutzgesetz und Verfassungsrang für den Tierschutz nicht
vorkommen “, sagt Dr.in Madeleine Petrovic, Präsidentin von
Tierschutz Austria/Wiener Tierschutzverein. „Wenn Betriebe
statistisch alle fünfzig Jahre geprüft werden und Kontrollen meist
angekündigt erfolgen, ist das System zum Scheitern verurteilt.“

Amtstierärzt:innen sind vielerorts unterbesetzt und kündigen
Kontrollen häufig an. Österreichs Landwirtschaft hat nur in der
Qualitätsproduktion Zukunft – solche Horror-Berichte zerstören das
Image seriöser Betriebe. „ Ist das schon wieder nur ein schrecklicher
Einzelfall? Und warum bezieht das Ressort nicht endlich fachlich
kompetente Organe aus den Tierschutz-Organisationen in allen
Bereichen der Nutztierhaltung ein? “, fragt Petrovic, Präsidentin von
Tierschutz Austria. In der Geflügelwirtschaft funktioniert die
Kooperation bereits – derartige Skandale sind dort kaum möglich. Die
Kontrollstelle für artgemäße Nutztierhaltung (KaN) in Bruck an der
Mur könnte ein Muster für effiziente, vertrauensbildende Kontrollen
sein.

Forderungen:

– Fachkundige Tierschutzkontrollgruppe pro Bundesland für
unangekündigte und regelmäßige Kontrollen.

– Aufstockung von Budget und Personal im amtlichen Veterinärwesen.

– Gesetzliche Änderungen für rasche Tierhaltungsverbote.

– Niederschwellige Anlaufstellen für Krisenintervention bei den
Landwirtschaftskammern.

– Videoüberwachung und verschärfte Kontrolle in allen
Schlachtbetrieben.

„Wir brauchen handlungsfähige Strukturen statt Schuldzuweisungen
– zum Schutz der Tiere und der Menschen“, betont Petrovic.

Der Betrieb wurde geschlossen, Anzeige wegen Tierquälerei
erstattet. Tierschutz Austria fordert konsequente Aufklärung und,
dass derselbe Betreiber den Betrieb nicht wieder führen darf. Politik
und Behörden müssen den Fall als Weckruf begreifen.