Augenlaser

Hilfswerk: Die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger auf Distanz ist für immer mehr Familien Realität.

Wien (OTS) – Anlässlich des 8. Nationalen Aktionstags für pflegende
Angehörige, am
13. September 2026, erinnert das Hilfswerk die Verantwortlichen in
Politik und Verwaltung an die herausfordernde Situation pflegender
Angehöriger und nimmt dabei insbesondere jene Angehörigen in den
Blick, die sich aus der Ferne um ihre Lieben kümmern. „85% der
Pflegegeldbezieherinnen und -bezieher in Österreich leben zu Hause.
Deren Angehörige spielen eine entscheidende Rolle, damit das
österreichische Versorgungssystem funktioniert“, sagt Othmar Karas ,
Präsident des Hilfswerk Österreich. „Weil viele Menschen heute
mobiler sind und viele Familien nicht mehr unter einem Dach oder in
direkter Nachbarschaft leben, ergeben sich im Falle der
Pflegebedürftigkeit eines Verwandten zusätzliche Herausforderungen .
Darauf müssen wir noch besser reagieren “, stellt Karas fest. In
Österreich kümmern sich rund 300.000 Angehörige um pflegebedürftige
Familienmitglieder, die nicht im selben Haushalt oder in
unmittelbarer Nähe leben.

Angehörige brauchen Entlastung bei Bürokratie und Organisation

„Wir haben in einer aktuellen Umfrage erst kürzlich wieder
festgestellt, dass pflegende Angehörige die Bürokratie und die vielen
Wege, die notwendig sind, um eine entsprechende Versorgung für ihr
pflegebedürftiges Familienmitglied sicherzustellen, als besonders
belastend empfinden“, erläutert der Hilfswerk-Präsident. „Wir müssen
den Papierkrieg rund um die Pflege und die vielen unnötigen
Rennereien jedenfalls eindämmen . Und wir müssen mehr Möglichkeiten
schaffen, um Angehörige in organisatorischen Angelegenheiten besser
zu unterstützen. Das hilft jenen, die im gemeinsamen Haushalt oder in
räumlicher Nähe leben, aber erst recht jenen, die sich aus der Ferne
um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmern“, ist Karas überzeugt.

Außerdem müsse man für bessere Leistbarkeit und mehr Flexibilität
bei den Unterstützungsangeboten für die Pflege daheim sorgen. „Auch
das belegt unsere Umfrage: Die Menschen wollen im eigenen Zuhause alt
werden. Und viele Anhgehörige wollen ihren Lieben das jedenfalls
ermöglichen – auch wenn sie in der Ferne leben . Dafür müssen
Angebote und Selbstbehalte für Unterstützungsangebote zu Hause aber
dringend überarbeitet werden. Das gilt für die mobilen Dienste von
der Heimhilfe bis zur Hauskrankenpflege genauso wir für die 24-
Stunden-Betreuung. Letztere ist gerade für Angehörige, die weiter
entfernt leben, oft die einzige Chance, einem älteren
Familienmitglied einen Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu
ermöglichen. Aber die Förderung dümpelt auf kläglichem Niveau dahin
und nimmt sich im Vergleich zum Beitrag, den die öffentlichen Hände
für Pflegeheimplätze leisten, äußerst bescheiden aus“, kritisiert
Karas.

Psychische Belastung für Angehörige in der Ferne erheblich

Angelika Kuhn , fachliche Leitung des Fachreferats Pflege und
Pflegepolitik im Hilfswerk Österreich, erzählt aus der Praxis: „Die
psychische Belastung von Angehörigen, die in weiterer Entfernung zu
ihren pflegebedürftigen Verwandten leben, ist hoch . Das zeigen auch
Studien. Da gibt es viele Ängste und Sorgen, aber auch
Unzufriedenheit und schlechtes Gewissen. Ernsthafte Entlastung kann
nur durch maßgeschneiderte Pflege- und Betreuungsangebote am Wohnort
der pflegebedürftigen Familienmitglieder geschaffen werden.“

Die Hilfswerk-Expertin verweist auch auf eine Analyse der
deutschen Stiftung ZQP zu Pflege auf räumliche Distanz : 75 Prozent
der Angehörigen auf Distanz belastet es, in Notsituationen nicht
rasch helfen zu können . 41 Prozent der im Rahmen der Studie
Befragten gibt an, mit der eigenen Rolle im Pflegekontext eher oder
sehr unzufrieden zu sein. Ab einer Entfernung von zwei Stunden oder
mehr zur pflegebedürftigen Person erhöht sich dieser Anteil auf 61
Prozent der Befragten.

Trotz der räumlichen Distanzen seien aber die meisten Angehörigen
in den Pflegeprozess eingebunden – beispielsweise durch regelmäßige
persönliche Besuche, durch emotionale Unterstützung via Telefon und
Internet, durch Informationsaustausch mit Pflegediensten oder mit der
24- Stunden-Betreuung vor Ort.

Vertrauensperson vor Ort, Medikamentenversorgung, Notfallplan

Um die Versorgung des betroffenen Angehörigen zu gewährleisten,
braucht es Beratung und Unterstützung durch professionelle
Pflegedienste . Hilfreich ist zudem eine Vertrauensperson vor Ort
hilfreich, etwa eine Nachbarin, ein Verwandter oder der mobile
Pflegedienst selbst. „Diese können ein realistisches Bild der Lage
vermitteln. Denn wer nur alle paar Wochen zu Besuch kommt, sieht
meist eine Momentaufnahme“, sagt Hilfswerk-Expertin Kuhn. Auch die
Medikamentenversorgung des pflegebedürftigen Familienmitglieds ist zu
organisieren: Wer sorgt rechtzeitig für Rezepte und die korrekte
Einnahme der Medikamente? Neben mobilen Pflege- und
Betreuungsdiensten können hier auch digitale Hilfsmittel wie Video-
Telefonate, ein Notrufsystem oder ein gemeinsamer Kalender helfen,
informiert zu bleiben.

Eine wichtige und sehr oft unterschätzte Maßnahme ist die
Erstellung eines schriftlichen Notfallplanes. „Eine einzelne
Nachbarin, die im Notfall einspringt, ist kein tragfähiges Konzept“,
meint Kuhn. Ein guter Notfallplan sollte jedenfalls Antworten auf
folgende Fragen bereithalten: Gibt es spezielle Vertrauenspersonen
vor Ort? Wer ist im Notfall in erster Linie zu verständigen? Wer in
zweiter und dritter Linie? Welche Informationen zu Krankheiten,
Medikamenten und Arztkontakten sollten griffbereit sein und wo? Auch
rechtliche und finanzielle Fragen gilt es rechtzeitig zu klären ,
idealerweise gemeinsam mit der pflegebedürftigen Person: Gibt es eine
Vorsorgevollmacht? Was ist von dieser Vollmacht umfasst? Wie ist die
finanzielle Gebarung geregelt? Gibt es eine Patientenverfügung? Wo
sind vorhandene Vollmachten aufzufinden?

Pflegende und sorgende Angehörige sollten aber auch ihre eigenen
Bedürfnisse achten und ihre Belastungsgrenzen erkennen. Wie viel ist
neben Beruf und Familie leistbar? Ab wann ist professionelle
Unterstützung notwendig? Angelika Kuhn rät Angehörigen, die in
räumlicher Distanz zur pflegebedürftigen Person leben: „Planen Sie
Ihre Besuchstermine bewusst, statt spontan zu improvisieren. Das
entlastet ebenso wie klare Absprachen mit beispielsweise
Geschwistern, anderen Verwandten und dem Freundeskreis, wer wann
Besuche und Aufgaben übernehmen kann.“

Über das Hilfswerk Österreich

Das Hilfswerk Österreich ist mit seinen Landes- und Teilverbänden
einer der größten gemeinnützigen Anbieter gesundheitlicher, sozialer
und familiärer Dienste in Österreich. Als Arbeitgeber von rund 7.000
Pflegefachkräften und Betreuungskräften pflegt und betreut das
Hilfswerk laufend mehr als 31.000 ältere und chronisch kranke
Menschen. Damit ist das Hilfswerk in Österreich die Nr. 1 in der
Pflege zu Hause. Zudem ist das Hilfswerk als Träger stationärer
Einrichtungen für zwanzig Seniorenpensionen/-heime, 21 geriatrische
Tages(struktur)zentren sowie 82 Einrichtungen des Betreuten Wohnens
zuständig.

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