ÖH: Kein Platz für Rechtsextreme an Hochschulen!

Leoben (OTS) – Nach den abscheulichen Vorfällen in Leoben war die
Montanuniversität
gezwungen, zu handeln: Die Burschenschaft Leder soll künftig von
offiziellen Veranstaltungen der Universität ausgeschlossen werden.
Die ÖH begrüßt diesen Schritt, verweist allerdings auf die
Notwendigkeit einer tiefgreifenden und nachhaltigen Änderung statt
symbolischer Ausschlüsse. Unklar ist, wie lange der Ausschluss hält:
Auch bei ähnlichen Situationen in der Vergangenheit hat die
Universität so reagiert, geändert hat sich langfristig aber nichts.

Zwtl.: Was ist passiert?

Am Samstag, den 20.06., fand eine Veranstaltung der
Burschenschaft Leder in Leoben statt. Als Hauptgast beim
“Stiftungsfest” war hierbei Matthias Helferich eingeladen. Helferich
ist ein rechtsextremer deutscher Politiker und wurde im Vorjahr wegen
extremistischer Positionen aus der AfD in Nordrhein-Westfalen
ausgeschlossen. Das selbst erkorene “freundliche Gesicht des
Nationalsozialismus” fällt immer wieder mit menschenverachtenden
Aussagen auf. Rund um die Veranstaltung kam es mutmaßlich zu einem
gewaltvollen und rassistischen Angriff auf einen Taxifahrer von
Burschenschaftern sowie zu einem Fall von Wiederbetätigung.

Durch die Anwesenheit von Personen wie Helferich und
gewaltbereiten Burschenschaftern in der Stadt sei das
Sicherheitsgefühl von Studierenden maßgeblich eingeschränkt.
Burschenschaften leben weiterhin von exklusiven, elitären und
misogynen Strukturen, die nicht mit einem offenen und toleranten
Campus-Leben vereinbar sind. “ Alle Studierenden haben ein Recht
darauf, in Sicherheit ihrem Studium nachzugehen. Es ist die Aufgabe
der Universität, alles zu tun, um dieses Sicherheitsgefühl am Campus
herzustellen ”, so Viktoria Kudrna aus dem ÖH-Vorsitz.

Zwtl.: Keine Zusammenarbeit mit Verbindungen

Für die ÖH ist klar, dass der Leder-Ausschluss nicht ausreicht,
um mit den rechtsextremen Kontinuitäten an der Hochschule zu brechen.
Am gestrigen Mittwoch fand wieder der “Bierauszug” statt – in der
Vergangenheit präsentiert sich das Rektorat zu diesem Anlass
wiederholt gemeinsam mit Studenten aus Verbindungen, auch aus der
Burschenschaft Leder. “ Einzelne Ausschlüsse können das
grundsätzliche Problem nicht lösen. Die Montanuni und die ÖH Leoben
dürfen mit Burschenschaften nicht mehr zusammenarbeiten und ihnen
keine Bühne bieten ”, fordert Selina Wienerroither aus dem ÖH
Vorsitz.

Erst 2024 hat die ÖH in einer eigenen Dokumentation rechtsextreme
Kontinuitäten in der österreichischen Hochschullandschaft aufgedeckt.
Auch die Situation in Leoben wurde thematisiert. Die Dokumentation
“Akademische Abgründe” kann unter folgendem Link kostenlos abgerufen
werden: https://www.oeh.ac.at/ueber-uns/oeh-dokumentation/ . Bilder
aus dem Film können hier abgerufen und unter Nennung der ÖH (©
Österreichische Hochschüler_innenschaft) frei verwendet werden.

Zwtl.: Strategie gegen Rechtsextremismus an Hochschulen gefordert

Der Auftritt von Helferich ist keine Einzelerscheinung, sondern
reiht sich in eine lange Liste von Einladungen rechtsextremer
Politiker durch schlagende Burschenschaften und rechtsextreme
Organisationen in österreichische Hochschulstädte. Gerade in Zeiten,
in denen antisemitische und rassistische Gewalttaten steigen, sei die
Verbreitung dieser Ideologie brandgefährlich. “ Universitäten müssen
sich klar von rechtsextremem Gedankengut distanzieren! Diese
Auftritte dienen dazu, rechtsextremes Gedankengut in akademischen
Kontexten zu verankern und so augenscheinlich wissenschaftlich zu
validieren ”, kritisiert Umut Ovat aus dem ÖH-Vorsitz.

Nicht nur in Leoben nimmt die Verbreitung rechtsextremen
Gedankengutes zu, sondern auch in anderen österreichischen
Hochschulstädten. Daher brauche es endlich ein ganzheitliches
Konzept, um diesen Entwicklungen langfristig entgegenzutreten. Die ÖH
fordert die Bundesregierung auf, bei der Erstellung des Aktionsplans
gegen Rechtsextremismus auf rechtsextreme Vorfälle und die Rolle von
Verbindungen an Hochschulen einzugehen und entsprechend zu handeln,
um ein Studium in Sicherheit für alle Studierenden zu gewährleisten.
Zudem kündigt die ÖH an, selbst einen Aktionsplan gegen
Rechtsextremismus zu erstellen, der rechtsextreme Kontinuitäten und
die aktuellen Vorgänge aufgreifen wird.