Linz (OTS) – Kursgewinne aus Wertpapieren sollen nach mehrjähriger
Behaltefrist
wieder steuerfrei werden, so die Forderung der ÖVP. Die AK
Oberösterreich sieht darin kein Entlastungspaket für breite
Bevölkerungsschichten, sondern ein teures Geschenk für die reichsten
Haushalte des Landes.
Derzeit wird eine Rückkehr zur sogenannten Behaltefrist bei
Wertpapieren diskutiert, kolportiert werden zehn Jahre. Wer seine
Aktien, Anleihen oder Investmentfonds so lange hält, soll Kursgewinne
künftig wieder steuerfrei lukrieren können. Aktuell werden solche
Gewinne mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer (KESt) besteuert. 2012
wurde die Behaltefrist im Zuge einer Steuerreform abgeschafft,
seither sind alle Kursgewinne KESt-pflichtig. Davor blieben nur
Gewinne aus Wertpapieren steuerfrei, die länger als ein Jahr gehalten
wurden.
Dargestellt wird der Vorschlag als Entlastung für einen breiten
Teil der Bevölkerung. Die Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank
zeichnen aber ein anderes Bild: Nur 6,4 Prozent der heimischen
Haushalte besitzen überhaupt Aktien, nur 3,2 Prozent Anleihen. Dieser
Besitz konzentriert sich stark auf Haushalte mit den höchsten
Einkommen und Vermögen. Von einer Entlastung der Mitte oder kleiner
Sparer:innen kann also keine Rede sein.
„ Tatsächlich profitieren fast ausschließlich jene zehn Prozent
der Haushalte, die ohnehin schon das meiste Vermögen besitzen. Für
die breite Masse der Beschäftigten bleibt davon nichts übrig, außer
einer noch größeren Schieflage im Steuersystem “, sagt AK-Präsident
Andreas Stangl.
Schieflage im Steuersystem würde weiterwachsen
Schon jetzt kommen 80 Prozent der Steuereinnahmen in Österreich
von Arbeitnehmer:innen und Konsument:innen, während Gewinne und
Kapitalerträge nur 14,2 Prozent und Vermögen sogar nur 1 Prozent
beitragen. Damit liegt Österreich bei der Besteuerung von Gewinnen,
Kapitalerträgen und Vermögen deutlich unter dem OECD-Schnitt. Eine
steuerfreie Behaltefrist würde diese Schieflage weiter verschärfen,
zulasten jener, die schon jetzt den Großteil der laufenden
Budgetkonsolidierung tragen.
AK Oberösterreich fordert echte Steuerstrukturreform
Statt die Wertpapier-KESt aufzuweichen, braucht es aus Sicht der
AK Oberösterreich eine echte Steuerstrukturreform. Das bedeutet:
– niedrigere Abgaben auf Arbeit,
– höhere Beiträge aus Gewinnen und Vermögen zum Beispiel in Form
einer Millionärssteuer sowie
– einer Steuer auf hohe Erbschaften und Schenkungen.